ARD-Hörspieldatenbank

Originalhörspiel



Thea Dorn

Marleni

Preußische Diven blond wie Stahl


Komposition: Wolfgang Florey

Regie: Jörg Jannings

Leni Riefenstahl klettert über den Balkon in der Avenue Montaigne in Paris, wo Marlene Dietrich ihr acht qm großes Bett seit Jahren nicht mehr verlassen hat. Leni hat große Pläne: sie will "Penthesilea" drehen, ihren letzten Film und das mit Marlene, die - physisch und psychisch ein "Wrack" - nur noch mit den Trümmern ihrer eigenen Legende hantiert. Natürlich lehnt Marlene, deren Worte "I've been photographed to death" zum Diktum geworden sind, ab. Aber Leni, die die Welt insgesamt nur als ästhetisches Phänomen fassen kann, bleibt hartnäckig. Die Sache ist für sie existentiell. Im Niemandsland zwischen abgelaufener Lebenszeit und aufgeschobenem Tod beginnt der Kampf der beiden preussischen Titaninnen. Das eigene Leben und ein ganzes Jahrhundert werden besichtigt und verworfen, verklärt und verflucht. An einem historischen Wendepunkt des 20. Jahrhunderts trafen Marlene und Leni Entscheidungen, die entgegengesetzter nicht hätten sein können. Sie wurden bestimmend für ihre ganze weitere Biographie. Doch die Antipoden verwischen sich: hinter den zementierten Fronten lauert das sorgsam gehütete Geheimnis einer fundamentalen Gleichheit. Marleni - ein deutsches Schwesternmärchen, in dem die gute Schwester die böse Schwester ist.

Thea Dorn, geboren 1970 bei Frankfurt a. M., Gesangsausbildung u. Philosophiestudium, unterrichtet Philosophie an der FU Berlin. Journalistische und wissenschaftiche Veröffentlichungen. Ihr Krimi-Debüt "Berliner Aufklärung" (1994) wurde mit dem Raymond-Chandler-Preis ausgezeichnet. "Marleni" ist ihre erste Hörspielarbeit.

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Mitwirkende

Sprecher
Gisela May
Gisela Uhlen

Musiker: Joachim Gies

 


 

Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Sender Freies Berlin / Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg / Radio Bremen 1998


Erstsendung: 02.02.1999 | 59'04


CD-Edition: Eichborn 2002


AUSZEICHNUNGEN

5. Platz hr2-Hörbuchbestenliste August 2002 (CD-Edition)


REZENSIONEN

Thorsten Körner: Funk-Korrespondenz 6/7, 12.2.1999


Darstellung: