ARD-Hörspieldatenbank

Originalhörspiel



Jürgen Becker

Möbel im Regen


Regie: Ulrike Brinkmann

Hilde und Herrmann sind ein altes Ehepaar und leben als einzige Bewohner in einem Mietshaus. Alle Nachbarn sind ausgezogen, und auch die beiden sehen einer ungewissen Zukunft entgegen, denn ein neuer Eigentümer hat das Gebäude übernommen. Er wird es vermutlich abreißen lassen, um in der günstigen Lage nahe am Bahnhof einen neuen Komplex zu errichten. Wie anders war es da noch, als Herr Tigges, der vormalige Besitzer, das Sagen hatte. Hilde und Herrmann erinnern sich an die großen alten Zeiten, Tigges Zeiten, und wer darin störte, waren nur die Querulanten und Krachmacher, die Wendehälse und Heuchler im Haus. Die beiden Alten sind einem absurden Zeitgefühl verfallen; indem sie alles Dunkle in der Vergangenheit des Hauses verdrängen, verklären sie es gleichzeitig zu einem Denkmal, das vom Hort der früheren Sicherheiten und Ordnungen erzählt. Häuser sind in der Literaturgeschichte immer schon als Metaphern für gesellschaftliche Zustände und Vorgänge verwendet worden. Jürgen Beckers jüngstes Hörspiel zeichnet das gespensterhafte Bild zweier Zeitgenossen, die sich dem Fortgang der Zeit zu widersetzen suchen. Im Schatten der Vergangenheit zu Hause, scheuen sie das Licht der Gegenwart und träumen eine Wirklichkeit herbei, die keine Zukunft haben wird.

Jürgen Becker, geboren 1932 in Köln, schrieb zuletzt vor allem Lyrik, aber auch Prosa und Hörspiele; er war Leiter des Suhrkamp-Theater-Verlags in Frankfurt am Main und von 1974 bis 1994 der Hörspielabteilung des Deutschlandfunks. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums, der Akademie der Künste Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Becker wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Rheinischen Literaturpreis Siegburg 1998 für sein Hörspielschaffen.

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Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Christa BerndlHilde
Rudolf WesselyHermann


 

Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Westdeutscher Rundfunk 2000


Erstsendung: 19.01.2000 | 48'08


REZENSIONEN

Markus Collalti: In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19.01.2000. S. 51. | Norbert Schachtsiek-Freitag: In: Funk-Korrespondenz. 48. Jahrgang. Nr. 4. 28.01.2000. S. 39.


Darstellung: