ARD-Hörspieldatenbank

Hörspielbearbeitung



Emil Szittya

Klaps oder Wie sich Ahasver als Saint Germain entpuppt


Vorlage: Klaps oder Wie sich Ahasver als Saint Germain entpuppt (Roman)

Bearbeitung (Wort): Ulrich Gerhardt

Komposition: Jakob Fensch

Regie: Ulrich Gerhardt

Die Welt ist eine Klapsmühle, in der man mit Weltanschauung und Glauben skrupellos Geschäfte macht: "Der Worthändler schrie ganz laut: Kauft meine Worte! Ich habe billige und teure Worte, höllische, panische Worte! Ich habe göttliche und symbolische Worte. Ich habe Worte über Liebe und über Gott." Der Roman "Klaps" erschien 1924, Emil Szittya bezeichnete ihn als "Abenteuer- und Schlüsselroman zugleich". Szittya erzählt in assoziativer Struktur von unmoralischen, machiavellistischen Protagonisten wie dem Arzt Dr. Funk, der gemeinsam mit dem herrschlüsternen Papus den "Neuen Staat" erschafft, ungehindert von seinem Gegenspieler, dem erpressten jüdischen Bankier Edmond de Levy. Vorbilder für seiner Figuren fand Szittya vielfach auf dem legendären Monte Verità in Ascona, wo er sich mehrfach aufhielt und unter anderem Bekanntschaft mit dem berühmt-berüchtigten Psychoanalytiker Otto Gross machte, der tatsächlich in Ascona eine neue Gesellschaftsordnung propagierte. Kind aus der Gosse, Stammtischbruder, Lügenbaron, Individualanarchist. Emil Szittya - eigentlich Adolf Schenk - perfektionierte im Lauf seines Lebens die Mystifizierung seiner Person. 1886 in Budapest geboren, begann er als Minderjähriger durch Europa zu vagabundieren, hielt sich längere Zeit in Berlin auf, wurde schließlich sesshaft in Paris. Er schrieb in deutscher Sprache, die er, wenn auch nicht perfekt, doch besser als die französische beherrschte. Sein Monte-Verità-Roman "Klaps" ist zugleich auch eine holzschnittartige Parabel auf das Europa der Zwanziger Jahre, in dem sich Ängste und Schuldzuweisungen mit rassistischen Irrlehren paaren und Scharlatane leichtes Spiel haben. Hellsichtig prophezeite er zehn Jahre nach Erscheinen des Romans über den unmittelbar bevorstehenden Krieg: "Frühere Jahrhunderte mit all ihren Grausamkeiten waren philanthropisch dem gegenüber, was kommen wird".

Emil Szittya (1886-1964) war Schriftsteller und Maler. Er gab zahlreiche Zeitschriften heraus, u.a. "Les Hommes Nouveaux" (1911 mit Hans Richter), "Der Mistral" (1915 mit Hugo Kesten und Walter Serner), "Die Zone" (1933-34). Es erschienen zahlreiche Gedichte und Romane von ihm, u.a. "Das Kuriositätenkabinett" (1923). Er betrieb darüber hinaus kunst- und kulturwissenschaftliche Studien, u.a. "Selbstmörder. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte aller Zeiten und Völker" (1925).

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Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Hans-Peter HallwachsErzähler
Wolfgang PreglerDr. Funk
Markus BoysenPapus
Michael HabeckWyndman sen.
Bernd GrawertWyndman jun.
Eva GosciejewiczRosa
Detlef KügowLévy
Thomas ThiemeKurzweil
Helmut StangeBischof
Paul HerwigDaintist/Saint Germain
Thorsten NindelWärter
Kai TaschnerMahac
Heiko RuprechtIngenieur


 

Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 2005


Erstsendung: 07.10.2005 | 59'27


REZENSIONEN

Katrin Hildebrand: Frankfurter Rundschau. 07.10.2005.


Darstellung: