ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung



Klaus Buhlert

Mosaik

Mit Texten von Konrad Bayer


Komposition: Klaus Buhlert

Dramaturgie: Manfred Hess

Technische Realisierung: Andreas Meinetsberger; Helmut Schick; André Bouchareb


Regie: Klaus Buhlert

Dieses Stück über Sprache, Wirklichkeit, Radio und Identität arbeitet mit dem Mittel des Zitats, einer Methode heutiger wie früherer Literatur der klassischen Moderne. Die Zitate sind Texte des österreichischen Autors Konrad Bayer, die in eine neue fiktive Handlung eingebettet werden. Während bei Bayer der Avantgardeanspruch der Sprachzertrümmerung und -zusammensetzung, wie sie die "Wiener Gruppe" im Umkreis der Konkreten Poesie in den 50er und 60er Jahren formulierte, mittlerweile historisch geworden ist, aktiviert Buhlert bewusst die sprachliche Kraft dieser Arbeiten, um sie für einen zeitgenössischen Kontext zu aktualisieren, der jenseits programmatischer Ansprüche steht. Schließlich hat die Wirklichkeit sich verändert. Szenischer Ausgangspunkt ist eine Mikrophonaufnahme in einem großen Sender mit verzweigtem Studiokomplex: Ein Mann namens Bayer, Hauptperson eines Stückes mit dem Titel "Mosaik", macht hier aus alten abgespielten Tonbändern und gelesenen Texten neue Tonbänder und Texte. Es sind Reflexionen über das System Sprache und Kommunikation sowie absurd-surreale Geschichten u.a. über den Boxkampf, Schneewittchen oder die Mordlust beim Birne-Essen. Dieses Spiel setzt dabei das Fragmentbild eines Menschen zusammen, der verzweifelt und zugleich komisch versucht, sich über zitierte und eigene Sprache seiner Existenz zu vergewissern. "Als Konrad Bayer und die anderen Autoren der 'Wiener Gruppe' 1956 ihre ersten Gemeinschaftsarbeiten in Angriff nahmen, bearbeiteten sie alltägliches Sprachmaterial: Konversationslexika, Wörterbücher, Trivialliteratur, Dialekt. Ihre Montagen sollten keinen neuen, 'besseren' Sinn schaffen, sie sollten die Funktionsmechanismen der Sprache verdeutlichen, damit spielen. Sie zeigen so Verständnisgrenzen und demonstrieren in surrealen, kabarettistischen Wendungen, was passiert, wenn man diese Linien überschreitet - damit 'die Wirklichkeit sich weiter aufbläht und zerplatzt'. An dieser Methode orientiert sich mein Stück 'Mosaik': Über eine frei entworfene Spielsituation konfrontiere ich die fiktive Person Bayer über die Collage verschiedener Texte von Konrad Bayer mit sich selbst. Dabei wird, so hoffe ich wenigstens, das Vergnügen am Experiment und am kreativen Akt sowie der Humor des Sprachspiels freigesetzt. Immer aber entwachsen diese Spiele dem verzweifelten Versuch, die Wirklichkeit mittels Sprache habhaft zu werden." (Klaus Buhlert)

Klaus Buhlert, geboren 1953, lebt als Komponist für Theater und Film, Hörspielautor, -bearbeiter und -regisseur in Berlin. Zahlreiche seiner Hörspiele wurden prämiert, z.B. "Die Reise" (hr 2002, ausgezeichnet mit dem Hörspielpreis der Akademie der Künste Berlin).

Konrad Bayer (1932-1964) geboren in Wien, begründet 1958 gemeinsam mit Oswald Wiener, Gerhard Rühm und Friedrich Achleitner ein literarisches Kabarett, aus dem sich die legendäre Dichtergemeinschaft "Wiener Gruppe" konstituierte. Er schrieb Gedichte, Balladen, Dialoge und Prosaarbeiten. 1964 schied Konrad Bayer freiwillig aus dem Leben.

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Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Gottfried BreitfußBayer
Herbert FritschSprecher
Bernhard SchützHörer
Lars RudolphAnimator
Jeanette SpassovaSekretärin/Frau/Lautsprecherstimme


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk / Deutschlandradio 2005

Erstsendung: 30.11.2005 | 63'10


AUSZEICHNUNGEN

  • Hörspiel des Monats November 2005
  • Hörspiel des Jahres 2005


REZENSIONEN

  • Frank Kaspar: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 30.11.2005. S. 40. - Stefan Fischer: Süddeutsche Zeitung. 30.11.2005. S. 35. - Marcus Collalti: Funk-Korrespondenz. 53. Jahrgang. Nr. 49. 09.12.2005. S. 28f. - Frank Kaspar: epd medien. Nr. 97. 10.12.2005. S. 31. - N. N.: Funk-Korrespondenz. 53. Jahrgang. Nr. 51/52. 23.12.2005. S. 35. - N. N.: Funk-Korrespondenz: 54. Jahrgang. Nr. 4. 27.01.2006. S. 26.

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