ARD-Hörspieldatenbank

Hörspielbearbeitung



Max Frisch

Montauk (1. Teil)


Vorlage: Montauk (Erzählung)

Bearbeitung (Wort): Leonhard Koppelmann

Komposition: Paul Friedrich Frick

Dramaturgie: Dagmar Schnürer, Reto Ott

Technische Realisierung: Mirjam Emmenegger; Ueli Karlen


Regie: Leonhard Koppelmann

"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser [...] Ich habe es dem persönlichen Gebrauch meiner Freunde und Angehörigen gewidmet, auf dass sie, wenn sie mich verloren haben, einige Züge meiner Lebensart und meiner Gemütsverfassung wiederfinden [...]" Montaigne, am ersten März 1580. Dieses Zitat stellt Max Frisch seiner Erzählung "Montauk" voran. Während einer Lesereise lernt der Schriftsteller in New York die halb so alte Verlagsangestellte Lynn kennen. Sie verbringen ein Wochenende im Mai 1974 in Montauk, an der Nordspitze von Long Island. Doch ist ihnen beiden von Anfang an klar, dass er am darauf folgenden Dienstag zurück nach Europa fliegen wird, um dort seinen 63. Geburtstag zu feiern. Für die Zeit nach dem Abschied vereinbaren sie, sich weder anzurufen, noch zu schreiben, allenfalls eine Ansichtskarte zum Jahrestag ihrer Begegnung soll erlaubt sein. Schon durch das einleitende Montaigne-Zitat erklärt Max Frisch seine Absicht, dieses Wochenende "aufrichtig" in Worte fassen und beschreiben zu wollen, "ohne etwas dabei zu erfinden". Doch seine Vergangenheit und die damit verbunden Erfahrungen und Erinnerungen drängen sich immer wieder in den Vordergrund. So muss er, während eines einsamen Strandspaziergangs, seine Geliebte Lynn hat er schlafend in der Pension zurückgelassen, unwillkürlich wieder an einen Strandspaziergang vor 16 Jahren denken - damals lag die junge Ingeborg Bachmann schlafend in seinem Zimmer. Déjà-vu-Erlebnisse durchziehen Frischs gesamte Erzählung - Leben in Wiederholungen, gleichermaßen als Erstarrung in der Wiederholung. In einer Collage aus Erinnerungen, Tagebuchauszügen, Selbstreflexionen und anderem autobiographischen Material seziert Frisch hier sein Lebens- und Liebesbild. Die Hörspielfassung greift diese Kaleidoskopstruktur auf und erweitert sie um zusätzliches biographisches Material, u.a. Frischs "Entwürfe zu einem dritten Tagebuch", die 2010 aus dem Nachlass veröffentlicht wurden. Durch diese Erweiterung wird der Versuch unternommen, die Problematik eines "aufrichtigen" Schreibens im Werk selbst zu spiegeln.

Max Frisch (1911-1991), geboren am 15. Mai in Zürich, arbeitete nach seinem Studium der Germanistik, Romanistik, Kunstgeschichte und Philosophie zunächst als Journalist. Nach einem Zweitstudium der Architektur und Tätigkeit in diesem Bereich wirkte er ab 1955 als freier Schriftsteller. Zu seinem umfangreichen Werk zählen u.a. die Theaterstücke "Nun singen sie wieder" (1945), "Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie" (1953) und "Andorra" (1962), sowie die Romane "Stiller" (1954), "Homo Faber" (1957) und "Mein Name sei Gantenbein" (1964). Frisch wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Georg-Büchner-Preis (1958), dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1976) und dem Heinrich-Heine-Preis (1989). Seine Erzählung "Montauk" erschien 1975. Max Frisch starb in Zürich.

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Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Ueli JäggiMax
Monica GilletteLynn
Thomas SarbacherUwe
Susanne-Marie WrageMarianne
Rudolf KasparReporter
Päivi StalderStudentin
Geri DillierNackter
Britta SpichigerVerkäuferin
Fritz ZauggMann
Elisabeth Schnell
Anina Barandun
Isabel Schaerer
Reto Ott


Ueli Jäggi als Max und Monica Gillette in der Rolle der Lynn | © SWR/SRF/Merly Knörle

Ueli Jäggi als Max und Monica Gillette in der Rolle der Lynn | © SWR/SRF/Merly Knörle

Ueli Jäggi als Max und Monica Gillette in der Rolle der Lynn | © SWR/SRF/Merly Knörle
Thomas Sarbacher in der Rolle des Uwe | © SWR/Krause-Burberg
Ueli Jäggi als Max, Monica Gillette als Lynn und Regisseur Leonhard Koppelmann | © SWR/SRF/Merly Knörle

Ueli Jäggi als Max, Monica Gillette als Lynn und Regisseur Leonhard Koppelmann
© SWR/SRF/Merly KnörleUeli Jäggi als Max, Monica Gillette als Lynn und Regisseur Leonhard Koppelmann
© SWR/SRF/Merly Knörle



PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Südwestrundfunk / Schweizer Radio DRS 2011

Erstsendung: 08.05.2011 | 74'28


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: Osterwold Audio 2012


AUSZEICHNUNGEN

  • Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2. Quartal 2012


REZENSIONEN

  • Angela di Ciriaco-Sussdorff: »Journal intime« in verdichteter Umsetzung. In: Funkkorrespondenz 13.05.2011, S. 27.
  • Hubert Spiegel: Ich will ehrlich sein. Max Frisch's »Montauk« erstmals als Hörspiel. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 13.05.2011, S. 35.
  • Eva-Maria Lenz: Ein Mann mit viel Vergangenheit. In: epd Medien 20.05.2011, S. 30.
  • Wolfgang Schneider: Die Reize literarischer Freikörperkultur, in: F.A.Z., 7. Juli 2012

Darstellung: