ARD-Hörspieldatenbank


Hörspiel



Eberhard Gaupp

Das heilsame Hemd


Komposition: Ludwig Roselius

Regie: Günter Siebert

"Das heilsame Hemd" ist ein modernes Märchen: Es fängt so harmlos an. Eben wie alle Märchen beginnen: Es war einmal! Natürlich geht es auch so weiter, wenn auch ... ja, wenn auch die Form des alten Märchens, die wir alle kennen und durch die uns der Autor für einen Augenblick nur ins längst verlassene Land der Kindheit führt, plötzlich und scheinbar unvermittelt zerreißt und uns in den Wirbel unserer Zeit stürzt. Die verträumte Melodie endet jäh, und schrill bricht der Schrei der Jazztrompete in das märchenhafte Geschehen. Aber - es bleibt unser Märchen. Ja, es wird erst so unser Märchen: Da ist der König, das heißt, der Generaldirektor König, der Überbeschäftigte, der Gehetzte, der das Glück verloren hat, der an der Leber und am Leben leidet. Da ist Christiane, seine Tochter, das Mädchen unserer Tage mit dem guten Herzen, das sich in nichts Wesentlichem von ihrer Schwester, weiland Prinzessin, unterscheidet. Daß sie mit einer benzingetriebenen Luxuskarosse statt mit der goldverzierten Staatskarosse durch die Lande jagt, um dem König, dem Generaldirektor, das wahrhafte Glück zu erjagen - es ist kein U nterschied. Die Sehnsüchte sind die gleichen geblieben, gestern und heute. Leider auch die Menschen! Alles das muß des Königs Töchterlein auf ihrer Jagd erfahren. Und auch, daß das Glück nicht zu erjagen ist, nicht zu erkaufen, nicht zu erbetteln. Das Hemd des Glücklichen bleibt die Fata Morgana am Horizont, die auch mit dem Zwölfzylinder nicht einzuholen ist. Das Glück ist bescheiden. Es wohnt auf der Landstraße und zieht mit Augustin, dem armen Augustin, Lieder pfeifend durchs Land. Aber es wäre kein Märchen, unsere Geschichte vom Glück, wenn nicht Augustin seine Christiane bekäme und der endlich überglückliche Vater seinen aktienschweren Segen dazu gäbe.

A
A

Mitwirkende

 


Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Radio Bremen 1952


Erstsendung: 12.09.1952 | 64'05


Darstellung: