ARD-Hörspieldatenbank


Hörspiel



Marguerite Duras

Agatha


Übersetzung: Simon Werle

Regie: Heinz Hostnig

Ein Mann und eine Frau treffen sich in dem Salon eines unbewohnten Hauses. Durch das Fenster fällt Winterlicht, gleichmäßig rauscht das Meer. Dies ist die Szenerie, in der die beiden Liebenden über ihre endgültige Trennung verhandeln. Daß sie Abschied nehmen müssen, wußten schon beide, als sie "noch Kinder waren". Nun ist es die Frau, die sich entschließt zu gehen. Es ist keine "gewöhnliche" Liebesgeschichte, die hier ihren Abschluß findet und deren unauflösliche Existenz zugleich beschworen wird. Die beiden, die sich in dem mit Erinnerung angefüllten Sommerhaus der Eltern treffen, der "Villa Agatha", sind Geschwister, und sie sprechen von den Anfängen ihrer verbotenen Liebe, von einem Sommer, der "stärker war als wir, stärker als unsere Stärke". Die grenzüberschreitende Liebe der Geschwister kann nur Bestand haben, indem sie so "nah wie möglich am Unerträglichen" angesiedelt wird, und das ist die Trennung, "dieser wunderbare Schmerz". Der Text von Marguerite Duras, der das Motiv der Geschwisterliebe aus Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften" variiert, stellt die Zeremonie des Abschieds in den Mittelpunkt einer zirkulär und paradox anmutenden Suche nach dem geheimen Regelsystem der Liebe. In immer wieder leicht abgewandelten Sequenzen zeichnet sie die Liebe als einen Zustand, der in der Suche nach dem "Doppelgänger im anderen Geschlecht" eben nicht elebt werden kann.

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Mitwirkende

 


Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Norddeutscher Rundfunk 1987


Erstsendung: 09.01.1988 | 80'10


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