ARD-Hörspieldatenbank


Porträt


Pioniere der Radiokunst


August Soppe

... "Quer zum Betrieb der Kulturindustrie" (9. Folge)

Porträt des Rundfunkpioniers Ernst Schoen


Regie: Johannes Hertel

1931 schrieb eine Zeitschrift: "In Frankfurt sitzen die Avantgardisten des Rundfunks ... vieles von dem, was heute, man möchte sagen, genormter Bestandteil der deutschen Programme geworden ist, wurde hier entdeckt." Künstlerischer Leiter des Südwestdeutschen Rundfunks in Frankfurt war zu jener Zeit Ernst Schoen. Als Schüler des Avantgarde-Komponisten Edgar Varese setzte er sich besonders für die zeitgenössische Musik im Rundfunk ein; zusammen mit seinem Jugendfreund Walter Benjamin entwickelte er die alltagsnahen "Hörmodelle", arbeitete mit Brechts "Lehrstück"-Konzeption und forcierte im damaligen "Unterhaltungs-Rundfunk" eine politisch eingreifende Programmgestaltung, die unzensiert auch Hörer vor dem Mikrofon zu Wort kommen ließ. Person und Werk Ernst Schoens sind durch den Faschismus aus dem öffentlichen Bewußtsein verdrängt worden. 1933 von den Nazis entlassen, floh Schoen nach London ins Exil, wo er mit linken Emigranten wie Hanns Eisler zusammenarbeitete. Nach 1945 - zu Zeiten des Kalten Krieges - waren jedoch weder in Deutschland West noch Ost die Erfahrungen und Konzeptionen des unabhängigen Sozialisten Schoen gefragt; als kleiner Verlagsangestellter starb er 1960 im geteilten Berlin. Theodor W. Adorno, der unter Schoen seine ersten Rundfunkvorträge gehalten hatte, schrieb damals: "Er stand ebenso quer zum Betrieb der Kulturindustrie wie zu der offiziellen Kulturideologie und ihren Produkten". In Gesprächen mit der Witwe Schoens und anderen Weggefährten, historischen Tondokumenten und Zitaten aus unveröffentlichten Schriften zeichnet die Soiree den Lebensweg dieses nahezu vergessenen Linksintellektuellen nach.

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Mitwirkende

 


Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Südwestfunk 1986


Erstsendung: 06.09.1986 | 149'05


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