ARD-Hörspieldatenbank


Hörspiel


Stichwort:


Karlheinz Schmidt-Lauzemis

AIDS


Komposition: Helmuth Schick

Regie: Karlheinz Schmidt-Lauzemis

"Also für mich war das ein bißchen erschreckend, daß Leute da saßen, die ihr Ergebnis mitten ins Gesicht gesagt bekamen und plötzlich total geschockt waren und dann voll in Tränen ausbrachen und gesagt haben, was mache ich jetzt, wo ich positiv bin, da kann ich mir ja gleich das Leben nehmen. Es war so, daß ich am liebsten zu denjenigen hätte hingehen können, in die Arme nehmen und sagen: Du, das ist doch nicht so schlimm, wenn du positiv bist, heißt das nicht, daß du bald sterben mußt. Aber es hat mich etwas abgehalten, weil ich ja selbst betroffen war oder ich hatte das Gefühl, betroffen zu sein ... Dann haben wir unser Blut abgegeben. Ich hatte mir schon die schlimmsten Gedanken ausgemalt, stell dir mal vor, wenn du jetzt positiv bist, dann habe ich ja nicht mehr lange zu leben, dann muß ich mein kommendes Leben ganz umstellen. Und wie reagiert mein Freund darauf, ob dadurch die Freundschaft in die Brüche geht, oder wie erkläre ich das meinen Freunden, distanzieren sie sich dann von mir? Das waren die Gedanken, die kreisten. Karlheinz Schmidt­Lauzemis, der in Berlin lebende Autor einer ganzen Reihe viel beachteter Originalton-Hörspiele, hat einen 26jährigen aus der Szene langjährig verdammter Randexistenzen zum Erzählen seiner Lebenserfahrungen veranlassen können. AIDS, die vor wenigen Jahren plötzlich in das Alltagsbewußtsein der ohnehin durch mannigfache Gefahren verängstigten Menschen getretene seuchenartige Krankheit wird im Blick auf die vorwiegend betroffenen "Problemgruppen" im aufgeklärten Zeitalter ähnlich tabuisiert und mythologischen wie im Mittelalter Pest und Lepra: als Strafe Gottes für die Sünden der Welt.

A
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Mitwirkende

Sprecher
Ein Betroffener erzählt von den biographischen
Auswirkungen einer Krankheit


 


Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk 1987


Erstsendung: 13.04.1987 | 74'38


Darstellung: