ARD-Hörspieldatenbank


Sendespiel (Hörspielbearbeitung)



Heinrich von Kleist

Das Käthchen von Heilbronn

Hörspiel


Vorlage: Das Käthchen von Heilbronn (Theaterstück)

Kommentar: Julius Witte

Regie: Julius Witte

Zur Wiederholung des „Käthchen von Heilbronn“ – Wie eingeschickter Theaterleiter erst dann ein zugkräftiges Stück aus dem Repertoire streicht, wenn es nicht mehr gut geht, - so wiederholt Dir. Witte die Aufführung des „Käthchens“ mit recht noch so lange, als gefordert wird. Hier heißt es „vox populi – vox dei!“ Und was ein vollbesetztes Haus für einen Theaterleiter bedeutet, das bedeutet eine Tasche voll Anerkennungsbriefe aus dem Hörerkreise für Dir. Witte. Das Verlangen nach „Käthchen“ reißt nicht ab! Ein gutes Zeichen für den Geschmack der Rundfunkgemeinde, ein noch schöneres Zeugnis für die kulturelle Bedeutung und volkserzieherische Macht des Rundfunks – und nicht zuletzt eine starke Anerkennung der Leistung der „Hörspieler“. Die städtischen Theater sollten sich freuen über solche Erfolge – denn zu gutes Letzt kommt ihnen in erstes Linie das künstlerische Resultat zustatten. Wie stark der Besuch der Theater nach solchen Rundfunkaufführungen sein kann, beweist die Tatsache, daß man in London und New York schon längst mit verschiedenen Theatern in Verbindung getreten ist und vor Erst- und Uraufführungen einleitende Vorträge hält. Die Motive werden musikalisch dargestellt, Hauptszenerien und Grundgedanken festgelegt, und so angeregt, geht dann die Bevölkerung, auch derjenige Teil, der sonst dem ganzen Theaterleben fremd war, in die Oper oder ins Schauspiel. Vertiefung der Kultur und Ausbreitung der Volksbildung durch den Rundfunk! Wir möchten nicht wissen, wieviel von den Rundfunkhörern, die das „Käthchen von Heilbronn“ hörten, nicht auch gleichzeitig den Wunsch hegten, es auch einmal zu sehen, den Zauber der Dichtung voll und ganz im Schauspiel auf sich wirken zu lassen. Gehört doch gerade das „Käthchen“ zu jenen Lieblingsgedanken des Volkes, die Kleist bis zu einem gewissen Grade volkstümlich machen könnten. Denn es besteht kein Zweifel, Kleist wird niemals die Volkstümlichkeit eines Schillers erlangen können, dazu sind die Charaktere, die er in seinen Dichtungen schuf, zu starke Individualitäten. Aber die neuere Zeit, die mehr und mehr Freude an einer fein verästelten Seelenkunst, an ungewöhnlichen Naturen hat, wird auch Kleist viel eher gerecht. Das beweisen die häufigen Forderungen der Darbietungen im Rundfunk. Vielleicht ist es der Drang, glücklich zu sein, der uns hier mit dem Dichter so vereint. Kein Dichter in Deutschland war wohl so von einer heißen Leidenschaft, sich das Glück zu erringen, durchdrungen – und keiner hat es so wenig gefunden, wie Kleist. (In: Die Mirag, 2. Jahrgang, Heft 16, S.5)

A
A

Mitwirkende

 


Hörspiel historisch


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

MIRAG - Mitteldeutsche Rundfunk AG (Leipzig) 1925


Erstsendung: 19.04.1925


Grundlage der Datenerhebung: Nachlass Karl Block (Sendespiele)


REZENSIONEN

N. N.: Die Mirag. Mitteldeutsche Rundfunkzeitung. 2. Jahrgang. Heft 16. S. 5.


Darstellung: