ARD-Hörspieldatenbank


Originalhörspiel



Oswald Egger

Triumph der Farben


Redaktion: Manfred Hess

Dramaturgie: Manfred Hess

Technische Realisierung: Anna Kuncio, Manuel Radinger, Daniel Bren

Regieassistenz: Daniela Gassner


Regie: Iris Drögekamp

Spielt, was trudelt, bunter als bunt, etwas hoch? Und treibt und überspielt eine Herde Farben, deren Rufnamen pointilliert, in Schwärmen bildender Tüpfelchen und Pünktchen, treideln, stieben und versprühen?

Wie eine fortschreitend oskulierende Wolke in Form von Worten und Formen ohne Worte, ein Gewölle von Zerstreuungen und Häufungen selbstüberwälzter Vorwärtswellen. Im Chor oder einzeln vortorkelnde Stimmenverbindungen, die untereinander freigespielt wortwörtlich über- und untertreiben dabei.

Z.B. im Halma-Spiel können Wort für Wort lange Sprungfolgen entstehen, mit denen man mit einem einzigen Spielzug (oder Atemzug) in beständigem Wechsel der Töne und Konstellation das ganze Spielfeld (oder eben Hörfeld) überqueren kann. Das Ohr vermag jetzt Anordnungen und darin Anbahnungen und Vokallinien für ausgedehnte Sprungfolgen herauszuhören, mitlaut, und mit vortreibenden Verwirbelungen im Wortfeld semantischer Höfe - ins Offene verbinden.

Ab und an berühren und vereinigen sie sich, verflechten sich dort und hier miteinander und splittern sich auf ihrem weiteren Vor- und Fortlauf wieder auf: Plötzliche, sofort wieder zerfallende, geborgte Bedeutungen disparat.

Wie angerufene Augenblicksgötter, Farbbezeichnungen und deren Verklitterungen als Litanei der Phänomene, ausgemalt verbüschelt, liquidiert: Schon die sporadischen Paare aus Färbungen und Namen, mit Ahnungen und Annahmen, akklamieren im Appell einer stillschweigenden Übereinkunft den Triumph der Farben, oft in klackslauter Interjektion, wechselständig Sätze überüberspringend, oft verdoppelnd.

Vokabelstränge, Verflochtenheiten, Häufungsgruppen und mannigfaltige Zusammenverklammerungen eigenloser, bildhaftiger, exempeliger Farbtonabfolgen: als Perlenschnur von Bildern, deren Ton-Verknotungen nicht konsekutiv erfolgen, sondern vielsilbiger, ausmalender. Reihum haben die Stimmen je einen Spielzug (ausdrücklich, um im Stillen zu versilben). Einen Wortlaut, eine Satzaussage, als eigene Welt der Form nach, als Welt in der Welt, die zwischen den Wörtern vergeht und den Stillen und Pausen.

Geschweige davon erhellen sich die Farben ausgesprochen, ephemer, aus aparten Spontannamen in Und-los atmenden, Ton in Ton einschwingenden Hörräumen einer undulierenden, inneren Geometrie der Vorgänge, die sich auszumalen wissen, was nicht gesagt ist: Wort für Wort ist nach und nach alles in allem ein Bild.

Oswald Egger, geboren 1963 im Südtiroler Tscherms, lebt als vielfach ausgezeichneter Schriftsteller in Wien und auf der ehemaligen Raketenstation Hombroich bei Neuss. Seit 2011 ist er Professor für Sprache und Gestalt an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Für die SWR Hörspiele »Ohne Ort und Jahr« und »Linz und Lunz« erhielt er 2010 respektive 2013 ( jeweils zusammen mit Iris Drögekamp als Regisseurin) den Karl-Sczuka-Preis für Radiokunst.

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Brigitta Falkner
Franziska Füchsl
Händl Klaus
Bodo Hell
Benedikt Ledebur


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Österreichischer Rundfunk / Südwestrundfunk 2019

Erstsendung: 30.06.2019 | ORF 1 | 51'55
Deutsche Erstsendung: 19.09.2019 | SWR2 | 51'55


REZENSIONEN

  • Christian Hörburger: Grüntopf-Onyx. In: Medienkorrespondenz Nr. 22. 25.10.2019. S. 55.

 

 

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