ARD-Hörspieldatenbank

Ars acustica



AM Kanngieser, Mere Nailatikau, Eliki Reade

Listening across fault lines (2/3)

Stories of oceanic life


Komposition: Daniel Jenatsch


Regie: AM Kanngieser, Mere Nailatikau, Eliki Reade

Welche Rolle spielt die Kulturtechnik des „Zuhörens“ in einer Region, die durch die Auswirkungen der Klimakrise und das anhaltende Erbe der europäischen Kolonisierung unter Druck steht? Eine Klangkunstserie mit Interviews von den pazifischen Inseln.

Überall im Pazifik ist die Kulturtechnik des Hörens bzw. des Zuhörens lebenswichtig − sie hält Gemeinschaften und Ökosysteme zusammen. Über viele Jahre hinweg haben Mere Nailatikau, Amer Kanngieser und Eliki Reade die Ältesten in den Gemeinschaften auf den pazifischen Inseln befragt, welche Rolle das Hören für sie spielt. Älteste sind Gemeinschaftsmitglieder, die für ihr kulturelles Wissen und ihre Erfahrung anerkannt sind − sie können Stammesführer, Heilkundige, Gelehrte, Bauern, Fischer oder Weber sein: die Menschen, an die sich die Gemeinschaft wendet, um Ratschläge einzuholen. In „Listening Across Fault Lines“ kommen Personen auf Kiribati, den Duke of York Islands in Papua-Neuguinea und Fidschi zu Wort, wie zum Beispiel Unaisi Nabobo-Baba, die erste indigene Fidschianerin, die zur Professorin an einer Universität ernannt wurde.

Die Inselstaaten Kiribati, Papua-Neuginea und Fidschi liegen zwischen Australien und Hawai‘i. Sie wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von europäischen Mächten kolonialisiert und erlangten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Unabhängigkeit. Die Duke of York Islands gehörten als Teil des Bismarck-Archipels von 1885 bis 1914 zu den deutschen Kolonien. Das postkoloniale Machtgefälle zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden setzt sich auch in der internationalen Klimapolitik fort. Während ehemalige Kolonialmächte wegen ihrer hohen Emissionen eine besondere Verantwortung für die Klimakrise tragen, sind ehemals kolonisierte Regionen besonders von der Klimakrise betroffen: Die Republik Kiribati etwa gehört aufgrund ihrer Lage knapp über dem Meeresspiegel zu jenen Ländern, die infolge des Klimawandels in ihrer Existenz bedroht sind. Die Klangkunstserie „Listening across fault lines“ hört jenen zu, die lange nicht gehört wurden, und fragt sie nach den kulturellen Praxen des Hörens und Zuhörens, die in ihren Gemeinschaften tradiert wurden. Im Mittelpunkt steht dabei die alltägliche Art und Weise, wie die Menschen füreinander und für ihre Heimat sorgen. Welche Geschichten erzählen sie in Zeiten der Klimakrise − und was können wir daraus lernen?

AM Kanngieser ist Autor:in, Geograf:in und Klangkünstler:in. AM Kanngieser arbeitete zuletzt zu Bewegungen für Selbstbestimmung in Ozeanien, wo sich das Erbe der Kolonisierung durch Ressourcenabbau und Umweltrassismus mit den Auswirkungen der Klimakrise überschneidet. Arbeiten für Documenta 14 Radio, BBC 3, ABC Radio National, The Natural History Museum London, Arts Centre Melbourne, Radio del Museo Reina Sofía, Deutschlandfunk Kultur und QAGOMA.

Eliki Reade ist „Interdependent Producer“ und Künstler:in kailoma-fidschianischer Herkunft (Fijian/European). Eliki Reade arbeitet institutionell und frei, vorwiegend im Bereich “Community Art and Cultural Development”. Produktion und Kuration u.a. für Next Wave Festival, Melbourne Fringe Festival, Emerging Writers Festival, Midsumma Festival, Due West Arts Festival, Arts House, Footscray Community Arts, Blak Dot Gallery, Wyndham City Cultural Centre und SIGNAL.

Mere Nailatikau arbeitet im Bereich Storytelling und Beratung für Forschung, Kommunikation und Diplomatie. Sie ist Mitbegründerin des Two Fishes-Podcasts sowie Moderatorin und Produzentin des Vosa-Podcasts Staffel 2. Aktuell ist sie Fulbright-Stipendiatin an der Humphrey School of Public Affairs (University of Minnesota). Ihre Artikel wurden im Commonwealth Writers Blog, Climate Tracker, Islands Business, DevPolicy und The Lowy Institute’s Interpreter veröffentlicht.

Daniel Jenatsch ist Medienkünstler. Seine Arbeiten kombinieren hyperdetaillierte Klanglandschaften, Musik und Video. Sie wurden in Ausstellungen und Programmen des ACMI, ACCA, UNSW, Arts House, Kunstenfestivaldesarts, der Athen Biennale, des NextWave Festival, des Australian Centre for the Moving Image, des Liquid Architecture Festival, des Museum of Contemporary Art Sydney, und des MousonTurm Frankfurt gezeigt. Er ist Gewinner des John Fries-Preises 2020.

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Mitwirkende

Sprecher/Sprecherin
Lydia Jacob
Unaisi Nabobo-Baba
Simione Sevudredre
Teweiariki Teaero
Philip Tacom
Mere Nailatikau

Musik: AM Kanngieser

 

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Deutschlandradio 2023

Erstsendung: 15.06.2023 | Deutschlandfunk Kultur | ca. 20'00


REZENSIONEN

  • Cosima Lutz: Schreie der Natur. In: epd medien Nr. 26. 30.06.2023. S. 29f.

Darstellung: