ARD-Hörspieldatenbank

Hörspiel



Milan Jesih

Koloratur


Übersetzung: Peter Scherber

Regie: Rosanda Sajko

Der Titel dieses slowenischen Hörspiels, "Koloratur", gibt einen Hinweis, wie der Text verstanden und gehört werden soll: als Partitur für Stimmen, die sich wiederkehrend, zyklisch mit einem Thema beschäftigen. Vier Stimmen (Onkel, Tante, Vater, Mutter) diskutieren, kommentieren das Verhalten eines Jugendlichen namens 'Frankie', der im Streit liegt mit seinem Vater und der Erwachsenenwelt, weil das Mädchen, das er liebt, und dem er durch kostspielige Ausgaben imponieren will, nicht akzeptiert, ja sogar als Schlampe und Hure bezeichnet wird. Durch eine diffizile Dialoggestaltung wechseln die vier Stimmen laufend Erzählperspektive und Erzählhaltung. Von der Er-Perspektive schlüpfen sie plötzlich in die Ich-Perspektive von Frankie, seiner Freundin oder der beteiligten Erwachsenen. Keine Stimme ist über längere Strecken einer Person zugeordnet. Auch die Beziehung der Erwachsenen zu jenem Frankie ist nie eindeutig. Bestimmte Schlüsselszenen werden mehrfach, aber aus verschiedenen Perspektiven geschildert. Alle Dialoge kreisen um das frontale Aufeinandertretfen von iugendlicher Gefühlswelt und -verwirrung auf Ordnungs- und Lebensvorstellungen der Erwachsenen. All dies wird erzählt in pointierten Gesprächsfetzen voller Witz, Ironie und schwarzem Humor. Dennoch wird keine Geschichte im eigentlichen Sinne erzählt. Die perspektivische Vervielfältigung des Geschehens versetzt den Zuhörer in ein Spiegelkabinett, einziges Spielprinzip ist das der permanenten Irritation.

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Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Marlen DiekhoffTante
Dietmar MuesOnkel
Rosel ZechMama
Otto SanderVater


 

Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Norddeutscher Rundfunk 1986


Erstsendung: 29.11.1986 | 57'35


Darstellung: