ARD-Hörspieldatenbank

Hörspiel



Zwi Kolitz

Jossel Rackower spricht mit Gott


Technische Realisierung: Erdmann Müller

Regieassistenz: Gertrud Windhorst


Regie: Holger Rink

"Ich, Jossel, Sohn des Jossel Rackower von Tarnopol, ein Nacheiferer des Gerer Rabbj und Nachkomme der großen Zaddikim aus den Familien Rackower und Meisel, schreibe diese Zeilen, während das Warschauer Ghetto in Flammen steht: Das Haus, in dem ich mich befinde, ist eines der letzten, das noch nicht brennt. Schon seit einigen Stunden werden wir von heftigem Artilleriefeuer beschossen, und ringsum stürzen die Mauern ein; in kurzer Zeit wird auch dieses Haus, wie fast alle anderen Häuser des Ghettos, seinen Bewohnern und Verteidigern zum Grab werden. Die roten Sonnenstrahlen, die durch das kleine, halbvermauerte Fenster meines Zimmers hereinkommen, dieses Zimmers, aus dem ich tage- und nächtelang den Feind beschossen habe, zeigen mir, daß es Abend wird, die Sonne kann nicht wissen, wie wenig ich es bedauere, daß ich sie nicht mehr aufgehen sehen werde." Dieses Bekenntnis eines Juden, der - verlassen von Gott, an den er so stark glaubte - in seiner Rede zu äußerster Konsequenz gelangt, schrieb Zwi Kolitz 1945 unter dem Eindruck von Berichten über den Aufstand der im Warschauer Ghetto eingeschlossenen Juden im April 1943.

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Mitwirkende

Sprecher
Friedhelm Ptok


 

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Sender Freies Berlin 1986

Erstsendung: 09.04.1987 | 24'30


Darstellung: