ARD-Hörspieldatenbank


Hörspiel


Shalom


Yosef Bar-Yosef

Der Hahn


Übersetzung: Judith Brüll

Komposition: Eldad Lidor

Technische Realisierung: Ilse Sieweke; Werner Jäger

Regieassistenz: Michael Schlimgen


Regie: Eran Baniel

Die unruhigen Schritte eines Mannes, begleitet von Geräuschen tropfenden Wassers, das Öffnen eines Tores, entferntes Glockengeläut und Hundebellen bilden die akustische Eröffnung dieses Hörspiels. Der Erzähler ist nach Mea Sharim, dem Stadtteil der orthodoxen Juden, zurückgekehrt, um seine Urgroßmutter zu begraben. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden; nun ist es Mitternacht, und das Wehklagen der alten Männer und Frauen im Haus seiner Großmutter hat ihn hinausgetrieben. Mit einer Flasche Congnac in der Hand wandert er durch die Gassen, die von Federn geschlachteter Hühner und Hähne bedeckt sind. Erinnerungen aus der Kindheit, Begegnungen und Eindrücke von der Beerdigung der Urgroßmutter wechseln sich ab. Er, der - zweiunddreißig Jahre alt - in leitender Position tätig ist und in Tel Aviv lebt, wird in dem wie eine Festung abgeschotteten "Mea Sharim" nicht freundlich empfangen. Die Bewohner und Verwandten sind strenggläubige Juden, im Gegensatz zu ihm. Auf einer religiösen Versammlung hört er eine von apokalyptischen Drohungen durchzogene Rede eines fanatischen Rabbis. Betrunken sucht der Urenkel schließlich am Morgen Einlaß in die Synagoge, wo bereits die Gebete begonnen haben. Man weist ihm die Tür. Die Rückkehr zur Kindheit ist unwiderruflich versperrt. Nach "Boochie" (1988), der Funkbearbeitung eines in Israel wie England gleichermaßen erfolgreichen Theaterstücks, und "Der Wunderheiler" (1991) stellt der WDR ein weiteres Originalhörspiel des bekannten israelischen Theaterautors und Romanciers vor, der in seinem Lande nicht zuletzt wegen seines spektakulären Bruchs mit der eigenen, streng orthodoxen Familie und seiner politischen Toleranz Aufsehen erregt hat. In seinem Hörspiel ergeben sich unerwartete Einblick in das Alltagsleben eines Landes, das auch innerhalb der Staatsreligion enorme Unterschiede zu verkraften hat.

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Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Siemen RühaakIch
Erwin BrunnSynagogendiener
Renate FuhrmannChaja-Sara
Lilly TowskaMalkale
Christa StrobelGroßmutter
Ernst August SchepmannRabbi Jitzchak
Renate FuhrmannFrau
Alexander GrillSalman
Steffen GräbnerSchlomo
Werner EichhornRabbi Benjamin
Ilka LichtTochter
Florian DeubelJunge
Roland AvenardStimme
Dieter KleinertMänner/Stimmen
Heinz LindgensMänner/Stimmen
Ernst PetersMänner/Stimmen
Daniel WerschingMänner/Stimmen


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Westdeutscher Rundfunk 1992

Erstsendung: 10.05.1992 | 59'40


Darstellung: