ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung, Monolog



Elfriede Jelinek

er nicht als er


Vorlage: er nicht als er (Theaterstück)

Technische Realisierung: Günter Heß; Angelika Haller

Regieassistenz: Christiane Klenz


Regie: Ulrich Gerhardt

"Die Literaturgeschichte ist voll von skurrilen oder tragischen Schicksalen. Doch die Geschichte Robert Walsers ist unter den tragischsten. Ihm ist die letzten dreißig Jahre seines Lebens eine Irrenanstalt als Wohnsitz zugewiesen worden, und fast diese ganze Zeit hat er nicht mehr geschrieben. Kein Aufenthalt ohne Bewegung, und Bewegung, Spaziergänge mit Carl Seelig, auch allein, sind gestattet gewesen, doch er hat sie oft widerwillig angetreten, hat den eigenen Schlüssel verweigert; er mußte ja doch arbeiten in der Anstalt, Erbsen sortieren, Stanniolpapier falten, Tüten kleben. Nur keine Sonderregelung für den ehemaligen Dichter: Angst sogar vor dem Zimmer für sich allein, lieber mit anderen zusammenwohnen! Der Schriftsteller soll endlich zur Sache kommen und sich ausdrücken! Doch wenn der Weg nach außen versperrt ist, will man auch in sich nicht mehr bleiben, weil man es muß. Das schöne reiche Innenleben des Dichters, und er gibt es uns nicht! Behält sein Licht unter dem Scheffel, dabei gehört es ihm gar nicht, es gehört uns allen! Dieser Robert Walser ist einer von denen, die, wenn sie 'ich' gesagt haben, nicht sich gemeint haben. Er sagt zwar ununterbrochen ich, aber er ist es nicht. Wie die Musik des späten Schubert, Schumann: Verdämmern ohne sich zu meinen. Walser sieht was jeder sieht. Und er zeigt sein Werkzeug, es aufzunehmen. Er macht etwas so und so, aber, wie Jürg Laederach von ihm sagt: 'Er gleicht dem Käufer, der die Preisliste studiert, nicht weil er wissen will, was die Dinge kosten, sondern weil er weiß, daß er ertragen muß, nicht einkaufen zu dürfen'. Es werden keine Rechnungen angestellt, und unter dem Strich kommt nichts heraus. Da liegt der Dichter tot im Schnee, und der Hut ist ihm vom Kopf gefallen und liegt neben ihm, aber noch auf dem Foto drauf. Der Titel des Hörspiels ist aus den Silben seines Namens zusammengesetzt, doch das ergibt kein ganzes und keinen Sinn: Rob-er-t nicht als Wals-er, er nicht als er. Keiner. Alles. Von ihm, auch das meiste an diesem Text" (Elfriede Jelinek).

Elfriede Jelinek, geboren 1946 in Mürzzuschlag/Steiermark, lebt heute in Wien und in München. Für ihre Romane (z.B. 'Die Klavierspielerin', 'Lust'), Theaterstücke und Hörspiele erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt 1998 den Georg-Büchner-Preis. Der Bayerische Rundfunk produzierte bzw. coproduzierte: 'Wenn die Sonne sinkt ...' (1972), 'Die Ausgesperrten' (1979),'Erziehung eines Vampirs' (1986), 'Burgteatta' (1991), 'Präsident Abendwind' (1992), 'Wolken.Heim' (1992), 'Stecken, Stab und Stangl' (1996) und 'Todesraten' (1997, zusammen mit Olga Neuwirth, Hörspiel des Monats Juni).

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Mitwirkende

Sprecher
Bruno Ganz


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 1998

Erstsendung: 26.10.1998 | 41'30


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: Preiser Records 2001


AUSZEICHNUNGEN

  • 4. Platz hr2-Hörbuchbestenliste Juni 2002 (CD-Edition)

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