ARD-Hörspieldatenbank

Hörspielbearbeitung



Magnus Reitschuster

Unser Julius


Vorlage: Magnus Reitschuster Stücke

Bearbeitung (Wort): Peter Michel Ladiges

Komposition: Peter Zwetkoff

Regie: Peter Michel Ladiges

"Nichts als Zank herrscht im Gefängnis unter unsren Männern", meint Frau Streicher, die Gattin des ehemaligen Gauleiters von Franken, der sich als Herausgeber des nationalsozialistischen Hetzblattes "Der Stürmer" einen Namen gemacht hat. "Wenigstens wir Frauen müssen uns zusammentun und Kaffee trinken Hand in Hand in diesen Tagen der Bedrängnis." Oktober 1946. Die im Nürnberger Prozeß ausgesprochenen Todesurteile stehen kurz vor der Vollstreckung. Frau Streicher hat die zehn anderen betroffenen Damen zu sich nach Hause eingeladen. Aber nur zwei der Witwen in spe sind erschienen. Frau Frank, die Gattin des ehemaligen Reichsministers und Generalgouverneurs von Polen, beschäftigt eine praktische Frage: "Nehmen Sie für Ihren Erdbestattung oder Urnengrab?" "Hermann wünscht sich einen Sarkophag", erwidert Frau Göring, die Gattin des ehemaligen Reichsministers der Luftfahrt. Daß Erde besser ist als Urne, darüber sind sich die Damen einig: Krematorien sind doch etwas in Verruf. "Gott, wie hat dem deutschen Namen all das doch geschadet", sagt Frau Göring. Währenddessen haben ihre Ehemänner die Möglichkeit, am katholischen Gefängnis-Gottesdienst teilzunehmen. So beginnt die auf historischen Tatsachen basierende "Liturgische Farce" des 1952 geborenen Autors und Theaterdramaturgen Magnus Reitschuster. Um der Wahrheit des Ungeheuerlichen näherzukommen, wird der Kunst der Übertreibung gehuldigt; die freche Fiktion hilft dem Dokumentarischen auf die Sprünge.

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Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Hanns ZischlerJulius Streicher
Michaela MayFrau Streicher
Axel MilbergHans Frank
Rosel ZechFrau Frank
Gerd AnthoffHermann Göring
Ilse NeubauerFrau Göring
Martin HalmRudi
Peter WeissMax
Andreas WimbergerO'Connor
Mogens von GadowWärter
Peter Michel LadigesRadiosprecher


 

Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 1998


Erstsendung: 09.11.1998 | 46'50


Darstellung: