ARD-Hörspieldatenbank

Hörspielbearbeitung



Hermann Hesse

Stufen

Ein Autoku für Siegfried Unseld nach dem gleichnamigen Gedicht von Hermann Hesse


Vorlage: Stufen (Gedicht)

Komposition: John Cage

Bearbeitung (Musik): Hermann Kretzschmar

Redaktion: Manfred Hess

Dramaturgie: Manfred Hess

Regieassistenz: Wolfgang Binder


Realisation: Hermann Kretzschmar

"Wie jede Blüte welkt und jede Jugend / Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, / Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend / Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern ..." Hermann Hesses "Stufen" gehört zu den beliebtesten deutschen Gedichten, viele können zumindest die Anfangszeilen auswendig rezitieren, auch wenn kaum bekannt sein dürfte, dass es aus Hesses Roman "Das Glasperlenspiel" stammt und dort von zentraler Bedeutung ist. John Cage hat 1989, zum 65. Geburtstag des Suhrkamp Verlegers und Hesse-Kenners Siegfried Unseld, das Sprachmaterial des Poems mit seiner Mesostic-Technik neu organisiert, für Sprecher musikalisiert. Diese Technik entkoppelt den Text seine Gestalt und seines originalen Sinns: Die aufeinander folgenden Buchstaben des Gedichts werden auf einer vertikalen Linie untereinander geschrieben, so dass der Text nur über die Mittelachse von oben nach unten, Buchstabe nach Buchstabe, unverändert notiert ist. Auf der horizontalen Leseachse - von links nach rechts werden jedoch die Worte nach einem Zufallsprinzipien einzelne mehrzeilige Stanzen unterteilt und neu kombiniert, wobei unter Stanzenkleine Sinneinheiten von 2 bis 5 Wörtern zu verstehen sind. Cages Werk gleicht somit Verfahren der Konkreten Poesie, ist Arbeit am Sprachmaterial des Gedichts. Die Partitur - typisch für Cage - ist für die ausführenden Sprecher außerdem einzig als Materialsammlung anzusehen: Sie dürfen pro Minute maximal drei Stanzen aus den Texten wählen, wobei Ihnen frei bleibt, wie sie sie vortragen und wie lange es dauert. Die Aufführung von "Stufen" blieb 1989 als Hauskonzert der privaten Feier im Hause Unseld vorbehalten, die Partitur wurde nie veröffentlicht und war selbst den amerikanischen Nachlassverwaltern, dem John Cage Trust, unbekannt. Hermann Kretzschmar - Komponist, Mitglied der Gruppe HCD, die mit Hörspielen wie "Denotation Babel" und "CosmicMemos" vielfach ausgezeichnet wurde, und last but not least Pianist des Ensemble Modern Frankfurt - hatte das Stück damals bei Siegfried Unseld mitaufgeführt und Cage in New York dazu befragt. Zufälligerweise bewahrte er die Partitur auf. Seine Radiofassung ist also die öffentliche Uraufführung von "Stufen". Zugleich greift sie aber alsTribut an Cages Radiokompositionen wie z.B. "Roaratorio" die offene Struktur des Werkes über eine neue Klangkonzeption auf, ist somit eine kompositorische Interpretation. Als Stimmen konnten Hans Zender, Walter Zimmermann, Dieter Schnebel und Frederic Rzewski gewonnen werden, allesamt Komponisten im Umkreis der Neuen Musik und "interpretationserfahren" mit Cages Werk. Sie wurden für die Radiofassung einzeln in ihrer privaten Umgebung in Brüssel, Freiburg etc. aufgenommen. Erst im Studio führte Kretzschmar die getrennten Sprecheraufnahmen als eine Art "remixtes Hauskonzert" zusammen und strukturierte sie neu. Die zusätzliche Soundkomposition von Kretzschmar basiert dabei einzig auf der Bearbeitung der Klangräume, die bei den Sprachsessions in Brüssel, Freiburg, Hamburg und Frankfurt am Main als O-Ton über verschiedene Mikrophone aufgenommen wurden. So wie Cages Interpretation des Gedichts von Hesse im Sprachmaterial des Textes verbleibt, nichts Neues oder ihm Fremdes hinzufügt, bleibt Kretzschmars kompositorische Interpretation von Cages "Stufen" ganz den Vorgaben Cages verpflichtet. Ein Kreis schließt sich.

A
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Mitwirkende

Sprecher
Hans Zender
Walter Zimmermann
Frederic Rzewski
Dieter Schnebel

Sonstige MitwirkendeFunktion
Helmut BeckerMischung


 

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk 2002

Erstsendung: 14.08.2002 | 42'09


REZENSIONEN

  • Götz Schmedes: In: Funk-Korrespondenz. 50. Jahrgang. Nr. 33. 16.08.2002. S. 24.

Darstellung: