ARD-Hörspieldatenbank

Hörspielbearbeitung, Science Fiction-Hörspiel



Arno Schmidt

Die Gelehrtenrepublik


Vorlage: Die Gelehrtenrepublik (Roman)

Bearbeitung (Wort): Klaus Buhlert

Komposition: Klaus Buhlert

Regie: Klaus Buhlert

Mitten im kalten Krieg, 1957, wurde Arno Schmidts beißende Satire auf die Zukunft veröffentlicht: "Die Gelehrtenrepublik", ein "Kurzroman aus den Roßbreiten". Man schreibt das Jahr 2008. Als Folge eines dritten Weltkriegs haben sich Leben und politische Grenzen auf der Erde vollständig verändert. Individuelle Mobilität wird weltweit militärisch kontrolliert, Veröffentlichungen durch Zensur geregelt. Atomare Versuche und gentechnische Experimente sind an der Tagesordnung. Unter solchen Bedingungen erhält der amerikanische Journalist Charles Henry Winer unerwartet die Genehmigung, in die Gelehrtenrepublik zu reisen. Mit dem Ballon landet er im Hominidenstreifen, einem gesperrten Korridor, und erreicht - nach der Begegnung mit einer zutraulichen Zentaurin - die IRAS (International Republic for Artists and Scientists): Eine steuerbare stählerne Plattform, die als Oase für Wissenschaft und Kunst, mit Wäldern, Äckern und städtischer Infrastruktur bestückt, im milden Klima der Rossbreiten auf den Ozeanen treibt. Während an Steuerbord, dem amerikanisch verwalteten Teil, die Künstler ihre Kreativitätskrisen pfl egen, treten an Backbord ihre kommunistischen Kollegen im Gleichschritt zur kollektiven Produktion an. Aber sogar auf IRAS experimentiert man mit Gehirn-Transplantation und Kälteschlaf, um das ewige Leben für die Genies dieser Welt zu sichern. Die schwelenden ideologischen Konflikte zwischen den beiden Weltmächten führen zu absurden Komplikationen, an deren Höhepunkt die Russen ihre Antriebsschrauben "backbord" volle Kraft voraus laufen lassen, während die Amerikaner "steuerbord" auf volle Kraft zurück steuern: Die Gelehrtenrepublik beginnt fernab der Zivilisation um sich selbst zu kreiseln, und die Rotationskräfte drohen, die vermeintliche Oase zu zerreißen. Ebenfalls in der Bearbeitung und Inszenierung von Klaus Buhlert liegt Arno Schmidts frühe Trilogie "Nobodaddy's Kinder" (BR 1998) vor, die auf CD im Hörverlag erschienen ist.

Arno Schmidt (1914-1979) arbeitete als grafischer Lagerbuchhalter, war 1945 als Soldat an der Front und geriet in englische Gefangenschaft. Nach dem Krieg arbeitete er als Dolmetscher an einer Hilfspolizeischule und ab 1946 als freier Schriftsteller. Er schrieb Prosa, Übersetzungen und Funkessays. Ein Verfahren gegen "Seelandschaft mit Pocahontas" wegen Gotteslästerung und Pornographie wurde 1955 eingestellt. Schmidt lebte seit 1958 im Heidedorf Bargfeld. Zu seinen Werken zählen u.a. "Leviathan" (1949), "Kaff auch Mare Crisium" (1960) und "Zettels Traum" 1970). Arno Schmidt erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Großen Akademie-Preis für Literatur der Mainzer Akademie (1950) und den Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main (1973).

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Mitwirkende

Sprecher
Manfred Zapatka


Manfred Zapatka (l.) und Regisseur Klaus Buhlert | © SWR/Conny Fischer/Hörverlag

Manfred Zapatka (l.) und Regisseur Klaus Buhlert | © SWR/Conny Fischer/Hörverlag

Manfred Zapatka (l.) und Regisseur Klaus Buhlert
© SWR/Conny Fischer/HörverlagManfred Zapatka (l.) und Regisseur Klaus Buhlert
© SWR/Conny Fischer/Hörverlag



PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 2003


Erstsendung: 07.09.2003 | 77'41


Darstellung: