ARD-Hörspieldatenbank


Hörspiel



Julius Hay

Die Enttäuschten


Komposition: Enno Dugend


Regie: Gustav Burmester

Ende 1932 stellte Reinhardts "Deutsches Theater" in Berlin seinen Zuschauern einen neuen Autor vor. Den 1900 geborenen, deutschschreibenden Ungarn Julius Hay mit seinem Drama "Gott, Kaiser und Bauer". Die Nationalsozialisten inszenierten einen Skandal. "... das muss man sagen, Hay versteht sich darauf, den Menschen Illusionen zu nehmen ...", stand in Goebbels' Tageszeitung "Der Angriff". Der Emigrant Hay nahm weiterhin "den Menschen Illusionen", wenn diese der Tyrannei zuträglich waren. Hay: "Tatsächlich ist die Entwicklung des Schriftstellers nichts Geringeres als die allmähliche Aneignung der Kunst, die Wahrheit zu sagen." Als Hay 1945 aus sowjetischer Emigration nach Budapest zurückkehrte, wurde er hier zunächst neben Tibor Dèry als großer revolutionärer Volksdichter gefeiert. Seine nach 1945 aufgeführten Stücke, vor allem das heute noch meistgespielte "Haben", brachten ihm neue internationale Erfolge, aber sie trugen ihm auch den Hass des Regimes ein. In seinem Drama "Gaspar carros Recht" nahm er 1955 die "neue Klasse", die herrschende Bürokratie der Volksdemokratien unter die Lupe. Die Folgen: Verbot des Stückes und scharfe Parteirügen. 1956 trat Hay offen für die ungarische Volkserhebung ein und wurde nach dem Niederrennen der Revolution als einer ihrer geistigen Urheber in einem Geheimprozess zu sechs Jahren Kerker verurteilt. Eine weltweite Protestbewegung befreite ihn nach drei Jahren und drei Monaten. Erst 1963 erhielt er mit der Freigabe seiner Stücke für das In- und Ausland die Erlaubnis zu einer Reise in den Westen, wo seither viele seiner Dramen mit Erfolg über die Bühnen gingen. Auch im Hörspiel verfolgt Hay konsequent seine Maxime, "vorbehaltlos die Wahrheit zu sagen, jeden und alles zu kritisieren, auf nichtmarxistische Art zu kritisieren, auf nichtmarxistische Art zu denken oder auch auf marxistische Art zu denken, selbst wenn seine Denkweise heute noch nicht zu den offiziell verkündeten und obligatorischen Wahrheiten gehört". Sein erstes Hörspiel, "Appassionata", war den verfolgten und eingekerkerten ungarischen Revolutionären gewidmet. Sein neues Stück setzt sich mit den Illusionen auseinander, die hüben wie drüben gehegt werden. Zwei Ingenieure, Vater und Sohn, stehen einander gegenüber. Der Vater lehnte es 1956 ab, aus Ungarn zu fliehen. Er wollte dem Sozialismus, der ihm und seinem Volk versprochen wurde, "noch eine Chance geben". Der Sohn suchte die Erfüllung seiner Ideale im Westen. Nach zwölf Jahren sehen sie sich wieder.

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Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Wilhelm BorchertAnton Berkó
Hartmut ReckFranz Berkó, sein Sohn
Hermann SchombergVirgil Tamási
Ingrid AndreePaula
Maria KrasnaFrau Kovács
Heinz SchachtEin Mann


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Westdeutscher Rundfunk / Hessischer Rundfunk 1968

Erstsendung: 06.11.1968 | 49'35


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