ARD-Hörspieldatenbank

Hörspielbearbeitung



Samuel Beckett

Gesellschaft


Vorlage: Gesellschaft (Prosa)

Sprache der Vorlage: englisch

Übersetzung: Elmar Tophoven

Technische Realisierung: Hans Scheck; Angelika Haller

Regieassistenz: Stephanie Samesch


Regie: Ulrich Gerhardt

"Eine Stimme kommt zu ihm im Dunkeln. Erträumen. Zu einem auf dem Rücken im Dunkeln." Der Prosatext "Gesellschaft" (Company), erschienen 1980, beginnt mit einer kontextlosen Rede in einem hermetisch-abstrakten Raum. Ist es der auf dem Rücken Liegende, der die Stimme imaginiert, oder ist es die Stimme, die den auf dem Rücken Liegenden imaginiert? Der Verlust von erzählerischer Perspektive wird nur gelegentlich unterbrochen von identitätsstiftenden Erinnerungsbruchstücken, biographischen Fragmenten. Das Gesagte bzw. Gehörte bleibt ungewiss: "Nur ein geringer Teil des Gesagten kann überprüft werden. Wie, zum Beispiel, wenn er hört, du liegst auf dem Rücken im Dunkeln. Dann kann er das Gesagte nur als wahr anerkennen. Aber der bei weitem größere Teil des Gesagten kann nicht überprüft werden. Wie, zum Beispiel, wenn er hört, du sahst zum ersten Mal das Licht der Welt an dem und dem Tag." Bedrohlich ist dieser Verlust nicht. In den Texten des Spätwerks scheinen die Endpunkte der für das Gesamtwerk Becketts geltenden Formprinzipien erreicht: Reduktion und Selbstreferenz der Sprache, die Wiederholung als wichtiges strukturierendes Prinzip, das Bedürfnis seiner Figuren, gegen eine existentielle Leere anzusprechen und sich bei gleichzeitiger, bis zur Bewegungsunfähigkeit gehenden Passivität selbst zu erfinden. Was die aus dem Referenzsystem Körper herausgelöste Stimme in "Gesellschaft" von sich gibt, ist Sprachmaterial, das nicht nach inhaltlichen, sondern nach formalen Kriterien strukturiert wird: Wiederholungen, serielle Abfolgen, Permutationen schaffen einen anderen Kontext, der außerhalb von körperlich erfahrbarer Wirklichkeit liegt.

Samuel Barclay Beckett, geboren am 13.4.1906 in Foxrock, südlich von Dublin, lehrte nach einem Studium der französischen und italienischen Sprache und neueren Literatur an der Universität Belfast. 1929 entstanden erste Essays und Erzählungen, 1931 erschien eine Monographie über Proust. 1937 zog er nach Paris um. Während der Besetzung von Paris arbeitete er als Sekretär und "Briefkasten" für eine Résistance-Gruppe. Ab ca. 1930 entstand sein umfassendes künstlerisches Werk, u.a. die Romane "Dream of fair to middling women" ("Traum von mehr bis minder schönen Frauen"), "Murphy", "Watt", "Mercier et Camier", "Molloy", "Malone meurt", "L'innommable" ("Der Namenlose"). Zu seinen bekanntesten Theaterstücken zählen "En attendant Godot", "Fin de partie", "Krapp's last tape", "play", "Acte sans paroles I", "Acte sans paroles II", "Happy days". Von ihm verfasste Hörspiele sind u.a.: "All that fall", "Embers" ("Aschenglut"), "Words and Music", "Cascando", "Pochade radiophonique", "Esquisse radiophonique". Zu seinen Filmen gehören u.a. "Film", "Dis Joe", Ghost Trio", "... but the clouds ..." ("... nur noch Gewölk ..."), "Quadrat". Außerdem verfasste er u.a. die Prosastücke "Worstward Ho" ("Aufs Schlimmste zu"), "Le Dépeupleur" ("Der Verwaiser"). 1969 erhielt Beckett den Nobelpreis für Literatur; 1989 ist er in Paris gestorben. Auf der documenta X war Beckett 1997 mit "Quadrat" und "... nur noch Gewölk ..." vertreten; im Jahr 2000 wurde die Ausstellung "Samuel Beckett Bruce Nauman" in der Kunsthalle Wien eröffnet.

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Mitwirkende

Sprecher
Hans-Peter Hallwachs
Stefan Hunstein


 

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 2003

Erstsendung: 06.06.2004 | 82'52


REZENSIONEN

  • Stefan Fischer: Süddeutsche Zeitung. 05.06.2004. S. 17.

Darstellung: