ARD-Hörspieldatenbank

Originalhörspiel, Science Fiction-Hörspiel



Hermann Bohlen

Gräser fliegen nur noch selten


Komposition: Karl Sczuka

Regieassistenz: Judith Lorentz


Regie: Hermann Bohlen

"'Gräser fliegen nur noch selten' spielt in einer düsteren Zukunft, die Musik kommt aus der finsteren Vergangenheit. Es handelt sich um Hörspielmusik der Jahre 1947-54 von Karl Sczuka, dem damaligen Hauskomponisten des Südwestfunks. In 'Gräser fliegen nur noch selten' erzählt Achim, wie er eines Morgens aufbricht, um heimlich die Stadt zu verlassen, in der ein Schreckensregiment herrscht. Angeführt von einem Mann mit roten Hosen, überwacht es die Bewohner z.B. durch in den Boden eingelassene Kontrollfelder; die Luft wird künstlich von den Stadtwerken gemischt, Belustigungen finden täglich auf dem Großen Platz statt. Am Stadtrand droht der Kamm, ein Gerät mit dem die Wälder nach Flüchtigen durchsucht werden. Achim erzählt von einer Chinesin, die er kürzlich kennen gelernt hat und überreden möchte, sich an der Flucht zu beteiligen. Im Hörspiel 'Gräser fliegen nur noch selten' folgen wir einem Paranoiker und tauchen ein in seine wahnhafte Wahrnehmung der Welt. Im Dialog mit den aus den 50er Jahren stammenden Hörspielkompositionen von Karl Sczuka wechselt unser Mann abrupt Richtung und Tempo. Obwohl selbst nicht der Langsamste, wird er dabei oft vom Orchester überholt. Sczuka schlägt Stimmungen vor, die nicht auf Achims Irren-Route liegen. Die Geigen brechen ein, bremsen ab und machen mit der Percussion Kehrtmarsch. Achims Erregungszustände finden sich wieder in den Bassläufen von Sczuka, in den Angst-Geigen und Alarm-Posaunen." (Hermann Bohlen) Der Hörspielmacher Hermann Bohlen verbindet Mittel der zeitgenössischen Radiokunst gern mit Elementen traditioneller Funkdramatik. Dabei verwendet er echte oder fiktionalisierte Original-Töne: in diesem Fall die Mitschnitte von Musikproben des Rundfunkkomponisten Karl Sczuka (1900-1954). Die dramatischen Stimmungsmusiken von Hörspielen der Nachkriegszeit treten in Dialog mit einem notorisch Verstimmten von heute, der sich auf Pirsch durch die eigene Stadt befindet. Die Arbeit an diesem Hörspiel wurde gefördert von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen.

Hermann Bohlen, geboren 1963 in Celle, studierte nach einer Schiffsmaklerlehre zunächst in Hamburg, dann ab 1988 in Berlin und Shanghai Sinologie. 1992 schrieb er seine Abschlussarbeit über Lautmalerei in der chinesischen Sprache. Von 1988 bis 1990 arbeitete er mit beim "Nachtflug" von Radio 100 und fertigte Hörstücke über Baraterrie (Selbstversenkung) und Geräuschfragen beim Essen und Reden (Schmatzen). Seit 1994 ist er freier Hörspielautor und -produzent in Berlin. 1997 erhielt er den Hörspielpreis der Akademie der Künste. Im Jahr 2000 war er verantwortlich für die Konzeption des PLOPP-Wettbewerbs für unabhängige Hörspielmacher im Rahmen der Woche des Hörspiels an der Akademie der Künste. Er schrieb zahlreiche Hörstücke, zuletzt "Onager", eine Entdeckungsreise in die Welt der Fünfziger Jahre (Hörspiel des Monats Juli 2004).

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Mitwirkende

Sprecher
Hermann Bohlen
Hartmut Hoppe


Der Autor Hermann Bohlen | © Deutschlandradio / Anke Beims

Der Autor Hermann Bohlen | © Deutschlandradio / Anke Beims

Der Autor Hermann Bohlen
© Deutschlandradio / Anke BeimsDer Autor Hermann Bohlen
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PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Südwestrundfunk 2005

Erstsendung: 27.10.2005 | 53'42


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