ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung, Monolog



Rolf Dieter Brinkmann

Longkamp

Erkundung für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand: Träume/Aufstände/Gewalt/Morde/Reise/Zeit/Magazin (Tagebuch)


Vorlage: Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand: Träume. Aufstände. Gewalt. Morde (Tagebuch)

Bearbeitung (Wort): Ulrich Gerhardt

Technische Realisierung: Hans Scheck; Angelika Haller

Regieassistenz: Katrin Dollinger


Regie: Ulrich Gerhardt

Briefe, Notizen, Landkarten, aus denen ein Monolog entsteht - über die Frage, "wie jemand heute da raus kommt". Als Rolf Dieter Brinkmann Ende November 1972 für einige Wochen nach Longkamp, ein Dorf im Hunsrück, zieht, ist seine Flucht aus dem Lärm der Stadt zugleich ein Abschied vom Glauben an die Rebellion, an Pop und Untergrund. Auf der Suche nach einem ruhigen Ort für sich und nach dem Leben, das bisher immer woanders ist, zieht er in die alte Mühle. In der Küche, dem einzigen beheizbaren Raum, schläft und schreibt er: Aufstehen um 10 nach 7, Dauerlauf, Bronchialtee, dann bei Kerzenlicht Tippen auf der Schreibmaschine. Er hört auf zu rauchen und nimmt ab, aber seine Verunsicherung und der Druck, der auf dem Schreiben lastet, bleiben. Die entstehenden Texte sind angefüllt mit Reflexionen über die Vergangenheit, über seine Beziehung, über Köln, die Menschen dort - und vor allem über die eigenen Voreingenommenheiten, sein verkrampftes Verhalten, das Gefühl, eingesperrt zu sein, sich nicht mehr entspannen zu können: "Ich bin nicht da, wo ich bin!" Dem "Grauen vor dem Muff der Dinge" setzt Brinkmann Konzentration als Methode der Selbstbefreiung entgegen: Fakten statt Bedeutungen, Tun statt Dahocken. In der Montage von Ulrich Gerhardt, der seit den 1970er Jahren mehrere Hörspieltexte von Rolf Dieter Brinkmann inszenierte und bearbeitete, zeigen sich die Longkamper Aufzeichnungen als fortgesetzte Arbeit an einer Sprache, die durch ihre Klarheit, Schärfe und Genauigkeit befreien soll.

Rolf Dieter Brinkmann wurde am 16. April 1940 in Vechta geboren. Nach einer Buchhändlerlehre in Essen lebte er seit 1962 in Köln, studierte zunächst Pädagogik und fällte später die Entscheidung, freier Schriftsteller zu werden. Seit Anfang der 60er Jahre veröffentlichte Brinkmann Gedichte und Prosa. Am 23. April 1975 kam er bei einem Autounfall in London ums Leben. Zu seinen wichtigsten Werken gehören der Roman "Keiner weiß mehr", die Anthologie "Acid", der Briefband "Rom, Blicke" und der Gedichtband "Westwärts 1 & 2".

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Mitwirkende

Sprecher
Christian Brückner


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 2007

Erstsendung: 17.05.2008 | 80'13


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