ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung



Oliver Kluck

Die Froschfotzenlederfabrik


Vorlage: Die Froschfotzenlederfabrik (Theaterstück)

Bearbeitung (Wort): Leonhard Koppelmann

Technische Realisierung: Daniel Senger; Sonja Röder


Regie: Leonhard Koppelmann

Die Tochter bringt ihre begüterte Mutter in einem kommunalen Krankenhaus unter, obwohl diese in ein Privatkrankenhaus möchte. Der Krankenhausarzt ("Bereitschaftsdienst ein Leben lang") nimmt die Mutter auf, obwohl keine Betten mehr frei sind. Arzt und Tochter kommen sich näher. Die Tochter erzählt von ihrer Kindheit: Bevor der Vater seine Familie verließ, betrieb er eine Textilfabrik, die Kleidung für Neofaschisten herstellte. Die Tochter wurde deswegen in der Schule gehänselt, war eine Außenseiterin. Als Jugendliche von ihrem Großvater, ebenfalls ein Großindustrieller, sexuell bedrängt, löste sie sich von ihrem Elternhaus und verdiente ihr Geld als Pornodarstellerin. Die Arbeit wurde zum wichtigsten Teil ihres Lebens. Gemeinsam mit dem jungen Arzt geht die Tochter in das nun unbewohnte Haus der Mutter und verbrennt Erinnerungsstücke und wirft Möbel aus den Fenstern. Ihre Schwester kommt, die beiden haben sich noch nie leiden können, und so geraten sie sich auch bei diesem Aufeinandertreffen in die Haare. Die Tochter bringe Fremde im Haus der Mutter unter, "Ziegen in der Garage, offenes Feuer im Garten und Kinder mit Bart / auch kleine Kopftuchmädchen", berichtet die Schwester der Mutter im Krankenhaus. Bald darauf wird die Nachbarschaft interviewt: "Wir schließen jetzt sogar unsere Mülltonnen ab, das haben wir früher nie getan, es gab ja keinen Grund dafür, nicht mal als erst die Russen kamen und dann die Amerikaner und dann wieder die Russen, haben wir die Mülltonnen abschließen müssen, aber jetzt." In einem abschließenden Dialog tauchen die ehemaligen Näherinnen der Textilfabrik, "aus didaktischen Gründen" alle zusammen, im Krankenzimmer der Mutter auf. Alle Frauen beklagen ihr Schicksal, die Näherinnen die unbequemen Stühle in der Fabrik und das schlechte Essen vom Discounter, die Mutter die schreckliche Langweile ihrer Ehe. Zerstörte Familienverhältnisse, Arbeit und Ausbeutung, ein marodes Gesundheitssystem, Flucht in Sachgüter und Revolte gegen den Konsumkult: In "Die Froschfotzenlederfabrik" kommentiert ein Konglomerat aus Stimmen und Haltungen Ausschnitte deutscher Gegenwart zornig, temporeich und mit bissigem Humor.

Oliver Kluck, geboren 1980 in Bergen auf Rügen, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Nach einer Berufsausbildung studierte er Ingenieurwissenschaften. 2006 folgte, mit dem Abbruch des ersten Studiums, sein Wechsel an die Universität Leipzig, wo er Prosa, Dramatik und neue Medien studierte. Im Mai 2009 erhielt Oliver Kluck den Förderpreis für Junge Dramatik des Berliner Theatertreffens für den Text "Das Prinzip Meese". Weitere Arbeiten sind: "Zum Parteitag Bananen", "Warteraum Zukunft", ausgezeichnet mit dem Kleist-Förderpreis 2010, sowie "Feuer mit mir". In der Spielzeit 2010/2011 Dramatiker und Außerhausautor am Deutschen Nationaltheater und der Staatskapelle Weimar. "Die Froschfotzenlederfabrik" wird am 21.12.2011 am Wiener Burgtheater uraufgeführt.

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Mira Partecke als Tochter 1 | © SWR/Monika Maier

Mira Partecke als Tochter 1 | © SWR/Monika Maier

Mira Partecke als Tochter 1 | © SWR/Monika Maier
Cathlen Gawlich in der Rolle der Gaumenspalte | © SWR/Monika Maier
Markus Scheumann in der Rolle des Arztes | © SWR/Monika Maier

Markus Scheumann in der Rolle des Arztes
© SWR/Monika MaierMarkus Scheumann in der Rolle des Arztes
© SWR/Monika Maier



PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Südwestrundfunk 2011

Erstsendung: 16.12.2011 | 75'44


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