ARD-Hörspieldatenbank


Hörspiel



Kai Grehn

Taperecordings eines metaphysischen Ingenieurs


Vorlage: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares (Literarisches Werk) Ein anarchistischer Bankier (Literarisches Werk) Rückkehr der Götter (Literarisches Werk) Der Hüter der Herden (Literarisches Werk)

Übersetzung: Inés Koebel

Komposition: Shaban

Redaktion: Katarina Agathos

Technische Realisierung: Jean Szymczak

Regieassistenz: Stefanie Ramb


Regie: Kai Grehn

„Ich fühle mich vielfältig. Ich bin wie ein Zimmer mit unzähligen, wundersamen Spiegeln, die eine zentrale Wirklichkeit falsch und verzerrt reflektieren, eine Wirklichkeit, die sich in allen und in keinem dieser Spiegel findet.“ Der in Südafrika aufgewachsene und erst mit 17 Jahren nach Portugal zurückgekehrte Dichter und Handelskorrespondent Fernando Pessoa bleibt zeitlebens ein Wandler zwischen den Welten und den Kulturen, ein Getriebener, der bescheiden in der Unterstadt Lissabons seiner Büroarbeit nachgeht, aber wie ein Besessener schreibt und eine neue portugiesische Literatur fordert. Kaum ein anderer Autor hat die Auflösung der Ich-Grenzen so weit getrieben wie er – durch bewusstes Spiel, phantasievolle Maskerade und eine „angeborene, beständige Neigung zur Entpersönlichung und Verstellung“, wie er seine Aufspaltung in zahlreiche fiktive Persönlichkeiten 1935 beschreibt. Alberto Caeiro, Álvaro de Campos und Ricardo Reis sind nur drei der Heteronyme, die Pessoa ein Leben lang begleiteten, durch die er sich ausdrückte und in denen er teilweise verschwand. So berichtet Pessoa, wie sich am 8. März 1914 eines seiner Heteronyme personalisierte und sein Meister werden sollte: „Ich schrieb über dreißig Gedichte in einem Zuge in einer Art von Ekstase. Es war der triumphale Tag meines Lebens; einen zweiten dieser Art werde ich nicht erleben. Und dann erschien jemand in mir, dem ich sogleich den Namen Alberto Caeiro gab. Entschuldigen Sie das Absurde des Satzes: In mir war mein Meister erschienen.“ Freitag 27.03.2020 21.05 Uhr In Taperecordings eines metaphysischen Ingenieurs hat Kai Grehn kurze Erzählungen, Gedichte, Texte und Sätze von Pessoa zu einer Partitur vereint und diese vertont. Es sind poetische Miniaturen, Erkundungen mittels Sprache eines von der Philosophie stark beeinflussten Dichters. Texte, die einem die transzendenten und existentiellen Empfindungen Pessoas, sein widersprüchliches Wesen, seine Realitätsverweigerung, die Liebe zu seinen Mitmenschen, seinen weiten geistigen Horizont, aber auch seine Einsamkeit und Fremdheit näherbringen. Wer könnte diese Texte besser interpretieren als Robert Gwisdek, der 2017 als Käptn Peng auf dem Album Das nullte Kapitel mit dem Song Meister und Idiot die Hymne einer Persönlichkeitsspaltung veröffentlichte. Mit ihm hat Kai Grehn über mehrere Tage und Nächte Sprachaufnahmen gemacht. Das gesamte Geräusch- und Sounddesign für die Produktion wurde im heutigen Lissabon aufgenommen und der Musiker Shaban lieferte den Soundtrack dazu. „Unter all den Zeilen und Versen Pessoas findet sich ein Satz, der bei dieser Arbeit für mich die gleiche Bedeutung besessen hat, wie für die Seefahrer in früheren Zeiten der Polarstern: »Die Musik, der Mond und die Träume sind meine magischen Waffen«.“ (Kai Grehn)

Fernando Pessoa, geb. 1888 in Lissabon, gest. 1935 ebenda, Kindheit in Durban, Südafrika, portugiesischer Dichter, Schriftsteller, Handelshaus-Angestellter, Geisteswissenschaftler. Werke u.a. Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, Ein anarchistischer Bankier (beide 2003), Rückkehr der Götter (2005), Der Hüter der Herden (2008). Weitere Hörspieladaptionen u.a. Das Büro der schwarzen Stunden (hr 1993), Der Seemann (WDR 1997).

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Mitwirkende

Sonstige Mitwirkende
Robert Gwisdek


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk / Radio Bremen 2019

Erstsendung: 28.03.2020 | Bayern 2 | 66'53


REZENSIONEN

  • Christian Deutschmann: Zerrissenes Ich. In: epd medien Nr. 14. 03.04.2020. S. 34.
  • Stefan Fischer: Fantastische Klänge. In: Süddeutsche Zeitung vom 27.03.2020. S. 31.

Darstellung: