ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung, Mitmachhörspiel, Szenische Lesung



Henry David Thoreau

Zusammen Walden (1. Teil: Sparsamkeit)

Thoreaus "Walden" als Schwarmhörspiel mit Ihnen in der Hauptrolle


Vorlage: Walden – oder das Leben in den Wäldern (Walden; or, Life in the Woods) (Tagebuch)

Sprache der Vorlage: amerikanisch

Komposition: Laura Weider

Redaktion: Christina Hänsel


Regie: N. N.

Henry Thoreaus "Walden" ist nicht nur in den USA ein Klassiker. Das Buch beschreibt die Erfahrungen des Dichters, der sich im Alter von 27 Jahren Mitte des 19. Jahrhunderts in eine selbstgezimmerte Blockhütte in den Wald zurückzog. Dort blieb er zwei Jahre lang. Auf 15 Quadratmetern versuchte er, in der Abgeschiedenheit den Geheimnissen des Lebens auf den Grund zu kommen. So beschreibt er selbst sein Vorhaben:

"Ich zog in die Wälder, weil ich den Wunsch hatte mit Überlegung zu leben, 'alle Wirkenskraft und Samen' zu schau'n, zu ergründen, ob ich nicht lernen konnte was ich lehren sollte, um beim Sterben vor der Entdeckung bewahrt zu bleiben, daß ich nicht gelebt habe. Ich wollte nicht das leben, was kein Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, höchstens im Notfall. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so herzhaft und spartanisch leben, daß alles, was nicht Leben war, aufs Haupt geschlagen würde."

Diese Rückbesinnung auf das Wesentliche ist es wohl, was das Buch bis heute für viele Menschen zu einer bereichernden Lektüre macht. Gerade in Zeiten von Corona kann uns zu Hause vielleicht der ein oder andere Gedanke dieses großen Dichters in seiner selbst gewählten Isolation inspirieren. Und ist es nicht auch einfach tröstlich, während einer Kontaktsperre mit ganz vielen anderen Menschen zusammen etwas zu schaffen?

2020, mehr als eineinhalb Jahrhunderte später, befinden wir uns, bedingt durch die Corona-Pandemie, in einer weltumspannenden Krise, die viele Gewissheiten, Strukturen und sicher geglaubte Gefüge ins Wanken bringt. Sie fordert von allen Menschen neue Verhaltensregeln, denn es geht darum, durch Kontaktreduzierung und Isolation sich selbst und andere zu schützen. Für die Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt stellt sich diese ungewohnte Daseinsform anders dar als für Thoreau: sie ist nicht selbstgewählt, sondern verordnet. Und sie geht von einer existentiellen Bedrohung aus. Die Frage, wie wir leben können und wollen, gewinnt dabei mehr und mehr an Bedeutung. Und es zeigt sich, was den Menschen Gemeinschaftsgefühl und Wertschätzung bedeutet.

Mit „zusammen-walden.de“ bietet der WDR eine Strategie an, mit der jetzigen Situation, die von uns Kontaktreduzierung, Alleinsein und Isolation fordert, umzugehen: Digital verbinden wir uns für ein Gemeinschaftsprojekt, in dem wir zusammen mit Hörerinnen und Hörern, Userinnen und Usern einen Text, der Gutes in der Abgeschiedenheit sucht, als Hörspiel produzieren werden. Denn selbst in körperlicher Isolation können wir gemeinsam denken und fühlen.

Nach nur vier Tagen haben 500 Hörerinnen und Hörer mit uns gemeinsam das Kultbuch "Walden" aufgenommen. Die Hörspielmacher Andy Ammer, Driftmachine und Acid Pauli  fügen Ihre Stimmen zusammen, verbinden sie mit Musik und Atmos und lassen daraus ein voraussichtlich etwa zehnstündiges Hörspiel entstehen – ein echtes Gemeinschaftswerk. 

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Mitwirkende

Sprecher
Gustav Nagel
Ursula Maria Müller
Mustafa Yildiz
Lea Bathelt

Ensemble: Driftmachine

 

Klanggestalter: Andreas Ammer, Andreas Gerth, Florian Zimmer, Acid Pauli

 


 


Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Westdeutscher Rundfunk 2020

Erstsendung: 03.04.2020 | WDR 3 | 9'33


REZENSIONEN

  • Stefan Fischer: Und jetzt alle. In: Süddeutsche Zeitung vom 06.04.2020. S. 21.
  • Stefan Fischer: Gemeinsam stark. In: Süddeutsche Zeitung vom 09.05.2020. S. 32.

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