ARD-Hörspieldatenbank

Hörspielbearbeitung



Annie Ernaux

Der Platz


Vorlage: Der Platz (La place) (Autobiographischer Bericht)

Sprache der Vorlage: französisch

Übersetzung: Sonja Finck

Bearbeitung (Wort): Erik Altorfer

Komposition: Martin Schütz

Redaktion: Cordula Huth


Regie: Erik Altorfer

Die eigene Geschichte, auch die eigene Familie, ist Annie Ernaux' literarisches Thema. Nach dem Tod des Vaters schreibt sie, die studiert hat und Gymnasiallehrerin geworden ist, über ihn, den Bauerssohn, Fabrikarbeiter und Kneipenwirt. Sie schreibt, weil sie mit ihrer Herkunft gebrochen hat, weil sie und ihr Vater sich nichts mehr zu sagen hatten. Und doch versucht sie über das Schreiben, über die Sprache sich wieder ihrem Vater anzunähern, zu erklären, wie sie zur sozialen Überläuferin ins Bürgertum geworden ist. Sie beschreibt, wie sie jetzt das Leben des Vaters aus der Bedeutungslosigkeit zu holen versucht, in die sie es - und damit auch ihr eigenes früheres Leben - verdrängt hatte. Ist das der Preis des sozialen "Aufstiegs": die Verleugnung und Verdrängung der Herkunft, des Geschmacks, der Sprache und der Umgangsformen? Es ist ein Schreibprozess, der "selbstverständlich keine Freude" bereitet und zwischen der Welt des Vaters und der Welt der Tochter balanciert. "Vielleicht sein größter Stolz, sogar sein Lebenszweck: dass ich eines Tages der Welt angehöre, die auf ihn herabgeblickt hattte", konstatiert Ernaux. Mit "Der Platz" hat Annie Ernaux neue Maßstäbe des autobiographischen Schreibens gesetzt, indem sie das Thema der sozialen Herkunft und deren Überwindung in den Fokus nimmt.

Annie Ernaux, geboren1940, wächst in bescheidenen Verhältnissen in einem kleinen Ort in der Normandie auf. Nach dem Studium der Modernen Literatur in Rouen arbeitet sie zunächst als Lehrerin. 1974 veröffentlicht sie ihren ersten Roman »Les armoires vides«. Ihr literarisches Werk ist im Wesentlichen autobiographisch. »Der Platz (La place)« wurde 1983 veröffentlicht. Das Hörspiel »Die Jahre« (hr 2018) wurde mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2020 ausgezeichnet.

Erik Altorfer, Studium der Germanistik und Anglistik, ist Hörspielregisseur und -bearbeiter, Theaterregisseur und Dramaturg, u.a. am Schauspielhaus Zürich, Thalia Theater, Staatstheater Braunschweig. Für »Dramenprozessor« erhielt er den Autorenförderpreis beim Schweizer Theaterpreis.

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Mitwirkende

Sprecher
Stephanie Eidt


Stephanie Eidt (Sprecherin) | © HR/Ben Knabe

Stephanie Eidt (Sprecherin) | © HR/Ben Knabe

Stephanie Eidt (Sprecherin) | © HR/Ben Knabe
Stephanie Eidt (Sprecherin) und Erik Altorfer (Regie) | © HR/Ben Knabe

Stephanie Eidt (Sprecherin) und Erik Altorfer (Regie)
© HR/Ben KnabeStephanie Eidt (Sprecherin) und Erik Altorfer (Regie)
© HR/Ben Knabe



PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk 2020

Erstsendung: 24.05.2020 | hr2-kultur | 78'15


REZENSIONEN

  • Gaby Nadel: Ein Fährmann. In: epd medien Nr. 23. 05.06.2020. S. 34.

Darstellung: