ARD-Hörspieldatenbank

Ars acustica


The Artist's Corner


Matthias Kaul

Der hellhörige Müller



Realisation: Matthias Kaul

Den Namen Müller gibt es in Deutschland etwa 400.000mal. Der häufigste Name. Einst gab es demnach zigtausende Spezialisten fürs weiße Rauschen; überhaupt mussten Müller Geräuschspezialisten sein. Beim sich anbahnenden Sturm mussten sie die Mühlensegel herunter lassen, damit die Holzflügel ganz blieben. Der Klang des Mühlengewerkes erzählte auch, ob die Zanhräder ohne Unwucht liefen oder ob Steinchen im Korn sich zwischen die Mühlsteine gemischt hatten. Die "singenden Mühlen" in Portugal haben an den Mühlenflügeln resonante Gefäße, die der Wind zum Klingen bringt. So führt die Hellhörigkeit der Müller mithin zu sehr persönlichen kompositorischen Ereignissen. Interessanterweise heißt eine "lebenswichtige" Übung für Schlagzeuger "Mühle" und wird tatsächlich über Jahrzehnte täglich geübt. Es handelt sich dabei um die Verdichtung von langsamen Doppelschlägen pro Hand bis hin zum Trommelwirbel. Möglicherweise wurde der Name "Mühle" für diese Prozedur gewählt, weil im Verlauf der Übung aus den körnigen Einzelschlägen eine dichte Klangebene wird, die übrigens dem weißen Rauschen ähnelt. In dem Radiostück "Der hellhörige Müller" verbindet dier Komponist und Schlagzeuger Matthias Kaul (geboren 1949) die angedeuteten Hörereignisse zu einer Art Rondo, zu einem akustischen Kreis, zu einer sich in den Lautsprechern drehenden ästhetischen Mühle.

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Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk 2020

Erstsendung: 13.06.2020 | hr2-kultur | ca. 35'00


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