ARD-Hörspieldatenbank

Originalhörspiel



Friedrich Wolf

SOS rao rao Foyn - "Krassin" rettet "Italia" (Mai bis Juli 1928)

Hörspiel in 20 Szenen


Komposition: Walter Goehr


Regie: Alfred Braun

"Das Stück ist kein Drama im Sinne des normalen, aktmäßig aufgebauten Bühnenstückes. Es ist eine Reihenfolge von kleinen Szenen, Gesprächen, Radiomeldungen, eine szenische Reproduktion des wirklichen Geschehens der Rettung der Nobile-Mannschaft durch den russischen Eisbrecher 'Krassin'. Eine neue Form des spezifisch akustischen Hörspiels." ("Der Deutsche Rundfunk". 7. Jahrgang. Heft 44. S. 1404)

"Dies Spiel - eine Synthese von Bühne, Funk und Film - wurde geschrieben, weil der Stoff hierzu herausforderte. Die Tragödie des Luftschiffs 'Italia', das vergebliche Suchen sämtlicher großen Funkstationen, die Aufnahme des verstümmelten Hilferufes: 'SOS ...rao rao ...Foyn' durch den selbstgebastelten Kurzwellenapparat des Amateurfunkers Nokolai Schmidt in einem einsamen Dorf im Norden der Murmansk ist wohl das erste Heldenlied unserer Zeit, unserer Technik, unserer Solidarität" (Friedrich Wolf)

"Zum erstenmal brachten fast alle Sender innerhalb einer Woche die Aufführung des gleichen Hörspiels, und man merkte den Programmen an, daß jede Station darin d a s Ereignis der Woche sah. Der starke Eindruck, den das Manuskript von Friedrich Wolf offenbar bei den leitenden Stellen hinterließ, läßt sich ohne weiteres verstehen. Hier hat ein Dramatiker den Rundfunk sehr aufmerksam beobachtet und einen aktuellen Stoff gefunden, dessen Grundgedanke mit dem Rundfunk eng zusammenhängt. "Krassin rettet Italia": wenn der Kampf um die Rettung der Nobile-Expedition den Rohstoff eines Hörspiels ausmacht, kann der Pol mit seiner Anziehungskraft keine Rolle spielen. Denn "Nacht und Eis" sind höchstens für den Film ein Motiv; der Nordpol selbst verlor längst seine Romantik und wurde zum geographisch astronomischen Problem. Bleibt also für das Hörspiel die Organisation der Hilfe, die Zusammenarbeit mit den technischen Mitteln: die Eisbrecher "Malygin" und "Krassin", das Junkersflugzeug, das den Weg zeigt, und vor allem die Nachrichtentechnik. Ein paar verstümmelte Morsezeichen setzen über einen russischen Kurzwellenamateur alle Großfunkstationen der Erde und neue Hilfsexpeditionen in Bewegung. Der Funkverkehr im Aether, durch das Hörspiel dargestellt, also "Rundfunk im Rundfunk" - darin liegen nicht weniger dankbare Möglichkeiten wie in dem Trick "Theater im Theater", den das Drama von Gryphius bis Molnar (Spiel im Schloß) ausgiebig verwendet. Friedrich Wolf kommt es jedoch auf den einen Grundgedanken an, die Herrschaft des Menschen über die Technik, ihre künftigen Möglichkeiten in den Händen überstaatlicher Organisationen zu zeigen. Sein Optimismus braucht eine Stilisierung der Vorgänge, und was an Amundsens Urteil und Schicksal erinnert, muß natürlich notgedrungen beiseite bleiben. Wie jedoch die Dokumente, Funksprüche und Dialoge konzentriert sind und trotzdem die Bewegung durch ganz Europa spiegeln, darin ist der Dichter von "Cyankali" zu erkennen. Jede Szene treibt die gemeinsame Arbeit von Mensch und Technik weiter und bleibt dabei nur ein Teil des großen europäischen Dramas, das für Friedrich Wolf den Auftakt einer neuen Gesellschaftsepoche repräsentiert." (N. N. in "Der Deutsche Rundfunk", 7. Jahrgang. 1929. Heft 46. S. 1465)

Das Hörspiel wurde am 5. November 1929 über die Sendestationen in Königswusterhausen, Frankfurt, Kassel, Stuttgart, Freiburg, Breslau, Gleiwitz, München, Nürnberg, Augsburg und Kaiserslautern ausgestrahlt. Am 8. November wurde es gesendet aus Berlin, Köln, Aachen, Langenberg, Münster, Königsberg und Danzig. 

Der im Deutschen Rundfunkarchiv aufbewahrte Tonträger (14 einseitig bespielte Schellackplatten) bezieht sich wahrscheinlich auf die Aufnahme vom 8. November (dieses Datum wird jedenfalls im Katalog der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft als Aufnahmedatum angegeben).

Es ist nicht abschließend geklärt, ob es sich bei den Sendungen am 5. November und am 8. November um zwei verschiedene Realisationen desselben Hörspielmanuskripts handelt, also um zwei Live-Sendungen, wobei die zweite aufgezeichnet wurde. 

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Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Hans RameauFunker Roma - Sao Paolo, Zappi
Peter IhleFunker des Expeditionsschiffes 'Città di Milano', Sekretär, Ausrufer, Der Vorsitzende, Blumenstein
Meinhart MaurFunker Leningrad, Petrow, Breinkopf, Samoilowitsch
Robert AßmannFunker New York, Ausrufer, 3. Stimme, Matrose
Jugo SchusterErster Redakteur, Ponomarew, Mariano
Fritz RitterZweiter Redakteur, 2. Stimme, Matrose, Möller
Manfred FürstTrojani, Ausrufer, 2. Alpino
Richard DuschinskiBiagi
Elsa WagnerMutter
Karl Heinz StrouxNikolai, Matrose
Ernst BuschFjodor, Meskin, Schelagin, Oras
Erwin KleistAusrufer, Sprecher, Babuschkin, Funker, Matrose
Bruno FritzAusrufer, Kapitän Tschertkow, Eggi
Karl HaasAusrufer
Walter FriedProfessor, Ausrufer, Behounek
Günther HadankKommissar, Viglieri
Gillis van RappardAlpino
Josef Bunzl1. Stimme, Aleksejew
Otto KronburgerTominik, Straube
Hans SternbergMatrose, Meier
Alfred BraunSprecher
Viktor Heinz FuchsPasalke
Fritz AltenAusrufer
Gustav von WangenheimTschuchnowski

Dirigent: Walter Goehr

 


 

Hörspiel historisch (vor 1933) - © DRA/Hanni Forrer


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Reichs-Rundfunk-Gesellschaft mbH 1929

Erstsendung: 05.11.1929 | 64'09


Hörspiel im DRA Frankfurt verfügbar


Grundlage der Datenerhebung: Der Deutsche Rundfunk (Programmzeitschrift)


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv 2013

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