ARD-Hörspieldatenbank


Essay



Matthias Knappe

50 Jahre Hörspiel im BR (9. Teil: 1989-1993)


Regie: Bernhard Jugel

1989: Fünfzig Jahre sind seit Beginn des Zweiten Weltkrieges vergangen. Nur noch rund sechzig Prozent der Bundesbürger sind sich der deutschen Schuld bewußt, ergibt eine Umfrage des Wickert-Instituts. Das Hörspiel im Bayerischen Rundfunk erinnert an den Weltkrieg, an den Widerstand gegen die Nazi-Diktatur und an den Holocaust, "das epische Ereignis des Jahrhunderts, dessen tragische Wirklichkeit in ihrer Tiefe nie vollständig auszuloten sein wird" (Raymond Federman). Die Konfrontation mit der Vergangenheit ist weiter gefaßt, als Beschäftigung mit den ThemenMacht und Ohnmacht, Vermassung und ihre individuelle Bewältigung zu verstehen. In diesem Sinn gewinnt das Hörspielprogramm in den neunziger Jahren eine Homogenität, die über die "Kriegsstücke" weit hinaus reicht. Die militärische Gewalt und die Ohnmacht des Einzelnen wird zudem durch den UN-Einsatz am Golf und die ersten jugoslawischen Erbfolgekriege nach Tito ab 1991 zum Alltag in den Medien. Die neuen nahen Kriege spiegeln sich sehr bald in der Hörspielproduktion. Die nationalsozialistische Vergangenheit als Thema im Hörspiel ist nicht neu, aber die Mittel im Programm sind es. Collage, Montage und Zitat etablieren sich in der modernen Radiokunst. Aus dem Spiel mit allen nur denkbaren akustischen Materialien, gemeinsames Kennzeichen der europäischen Avantgarde und der populären amerikanischen Kultur, entstehen in München "Pop-Hörspiele". Zugleich würdigt das Programm die literarischen Vorväter: die Lautpoeten zu Beginn des Jahrhunderts und die amerikanische Beat-Generation, auf die sich auch die poetry-Bewegung der neunziger Jahre, die von New York ihren Ausgang nahm, berufen kann.

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Mitwirkende

Sprecher
Beate Himmelstoß
Gert Heidenreich
Joachim Höppner
Marlene Reichert


 


Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 1999


Erstsendung: 20.09.1999 | 53'25


Darstellung: