ARD-Hörspieldatenbank


Originalhörspiel



Ulrike Draesner

beziehungsmaschine


Regie: Bernhard Jugel

"Eine Frau, in ihrem Zimmer, am Boden. Ihr Partner hat sich gerade von ihr getrennt. Sie fühlt sich erniedrigt, bedrückt. Das allmählich dunkel werdende Zimmer ist leer, bis auf einen Stuhl und einen leuchtenden roten Punkt: Computer?, Stereoanlage?, sie selbst? Die Frau beginnt, sich nach sich zu fragen. In kreisenden Bewegungen übersetzt sie die wahrgenommenen Gegenstände in innere Tatsachen, Gefühle und Erinnerungen. Ihr Monolog stellt Sätze und Satzfragmente durch genau komponierte Wiederholungen in immer neue Zusammenhänge - und schickt so das Ich auf eine innere Reise. Es entdeckt, daß dem Abstand zu anderen eine innere Fremdheit vor sich selbst entspricht. Glattes, gekämmtes Ichzeug, das man ihr angetrimmt hat, überdeckt die inneren Strudel und Stromschnellen. Der Schmerz über die Trennung löst diesen Außenpanzer, der auch ein Panzer aus vorgefertigter Sprache ist. Die Eltern, die ihn dem Ich angelegt haben, mischen sich noch einmal mit Erziehungssätzen, Lebensregeln und Kommentaren ein. Das Ich erkennt, daß die Beziehungsmaschine viel weiter geht als "nur" Männerverhältnisse betreffend. Sie ist eine Lebensmaschine: ohne Vermittlung des unverstellten Ichraums nach außen wird das Ich absterben. Über den Boden kriechend stößt die Frau auf zwei Straßenbahnschienen - die eigene Vergangenheit und Zukunft. Ihr wird bewußt, daß ihr weiches, verletzliches Fleisch darauf festgenagelt ist. Doch wenn sie es wagt, die ihr zugefügten Erstarrungen und Schmerzen von innen aufzubrechen, besteht die Möglichkeit, die Schienen in Arme zurückzuverwandeln - und damit einen anderen zu berühren" (Ulrike Draesner).

A
A

Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Judith HofmannA, Kind
Kornelia BojeB, Mutter
Christoph LindertC, Vater


 


Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Bayerischer Rundfunk 1998


Erstsendung: 10.06.1998 | 15'00


Darstellung: