ARD-Hörspieldatenbank


Hörspielbearbeitung



Max Frisch

Homo Faber (1. Teil)


Vorlage: Homo Faber (Roman)

Bearbeitung (Wort): Heinz Sommer

Komposition: Jörg Achim Keller

Redaktion: Hans Sarkowicz

Dramaturgie: Hans Sarkowicz

Regieassistenz: Susanne Schütz


Regie: Leonhard Koppelmann

Max Frischs Protagonist in "Homo faber" glaubt, Kraft seiner überragenden rationalen Fähigkeiten sein Schicksal und sogar den Tod überwinden zu können – ein fataler Irrtum, der eine Tragödie klassischen Ausmaßes in Gang setzt. Die darin eingeschriebene Kritik Frischs an einem grenzenlosen technischen Fortschrittsglauben hat bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Heinz Sommer hat daraus ein erzählstarkes 6-teiliges Hörspiel extrahiert, das von Leonhard Koppelmann in Szene gesetzt ist, und zu dem Jörg Achim Keller mit der hr-Bigband einen klangstarken Soundtrack liefert. Unter dem Eindruck der rasanten technischen Aufrüstung während des Zweiten Weltkrieges, und vor allem angesichts der beiden Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, notiert Max Frisch Ende der 1940er Jahre in sein Tagebuch: "Wir können, was wir wollen, und es fragt sich nur noch, was wir wollen; am Ende unseres Fortschritts stehen wir da, wo Adam und Eva gestanden haben; es bleibt uns nur noch die sittliche Frage." Bis 1957, als sein Roman "Homo faber" erscheint, hat sich die Geschwindigkeit der technischen Entwicklungen noch einmal rasant beschleunigt. Der Titel meint dabei nicht nur die zentrale Figur des Romans, sie ist ein feststehender anthropologischer Begriff: Als "Homo Faber" bezeichnet man seit der Antike den Menschen als werkzeugmachendes Wesen. Bevor Frisch Schriftsteller wurde, arbeitete er als Architekt, unter dem Eindruck dieses in großen Teilen technischen Berufs, konstatiert Frisch, "der moderne Mensch [lebe] an sich selbst vorbei und [ergebe] sich dabei der Machbarkeitseuphorie der Technik. Sein tiefstes Wesen und sein Schicksal geraten ihm dabei aus dem Blick, menschliche Beziehungen und Kommunikation unterwerfen sich dem Diktat der Naturwissenschaften." Jetzt erkennt Frisch also nicht mehr nur ein moralisches Problem in einer zusehends durchtechnisierten Welt, sondern auch ein emotionales – der Mensch, der glaubt, das Leben nach den Gesetzen von Logik und Wissenschaft organisieren zu können, kommt sich zusehends selbst abhanden, er verliert sukzessive seine Kommunikationsmöglichkeiten, seine Empathiefähigkeit sowie das Bewusstsein für die eigenen Ängste und Sehnsüchte. In der kalten Sprache eines Berichts greift Frisch bereits vor etwa siebzig Jahren eine Sorge auf, die heute zwischen Twitter, WhatsApp und Facebook mehr und mehr zu unserem Alltag wird. Manche Sätze aus "Homo faber" klingen dabei fast schon wie Statements eines gegenwärtigen, technikbegeisterten Blogs: "Der Mensch als Beherrscher der Natur, und wer dagegen redet, der soll auch keine Brücke benutzen, die nicht die Natur gebaut hat. Dann müsste man schon konsequent sein und jeden Eingriff ablehnen, das heißt: sterben an jeder Blinddarmentzündung. Weil Schicksal!"

Max Frisch (1911-1991), Schweizer Schriftsteller und Architekt. Mit Theaterstücken wie »Biedermann und die Brandstifter« oder »Andorra« sowie mit seinen drei großen Romanen »Stiller«, »Homo faber« und »Mein Name sei Gantenbein« wurde er weltberühmt.

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Mitwirkende

SprecherRolle/Funktion
Ueli JäggiMax
Matthias BrandtWalter
Eva MattesHanna
Paula BeerSabeth
Valery TscheplanowaIvy
Sascha NathanHerbert
Clement GuyotMarcel
Victoria SordoStewardess/Lautsprecher Mexico
Alejandro Ramòn AlonsoGast 1 (Spanier)/Kubaner/Indio/Kellner Italien
Carrie GetmanGast 2 (Amerikanerin)/Kubanerin 1/Partygast 2/Schwester
Gerd WamelingWilliams/Lautsprecher/An- und Absage
John JulianPilot (amerik., mittelalt)/Barkeeper/Concierge/Partygast 1/Driver/Lautsprecher
Yollette ThomasMummy/Kubanerin 2/Partygast 4
Walter HessProfessor O/Schweizer Fremdenpolizei
Peter TrabnerSchiffsgast
Manolo PalmaSteward/Kubaner 2/Indio(s)
Jan BluthardtSabeths Freund/Zuhälter/Partygast 3
Joshua WunderJungen 1-4
Nisha WunderJungen 1-4

Ensemble: hr-Bigband

 


Die hr-Bigband unter der Leitung von Jörg Achim Keller liefert die Musik für das Hörspiel "Homo Faber". | © Josh Schlasius/HR

Die hr-Bigband unter der Leitung von Jörg Achim Keller liefert die Musik für das Hörspiel "Homo Faber". | © Josh Schlasius/HR

Die hr-Bigband unter der Leitung von Jörg Achim Keller liefert die Musik für das Hörspiel "Homo Faber". | © Josh Schlasius/HR
Eva Mattes leiht ihre Stimme Hanna im Hörspiel "Homo Faber". | © Susann Schütz/HR
Ueli Jäggi spricht die Rolle des Max. | © Susann Schütz/HR
Matthias Brandt spricht die Rolle des Walter und Paula Beer spricht die Rolle der Sabeth. | © Susann Schütz/HR
Matthias Brandt und Paula Beer bereiten ihre Texte für das Hörspiel "Homo Faber" vor. | © Susann Schütz/HR
Die hr-Bigband liefert die Musik für das Hörspiel "Homo Faber". | © Susann Schütz/HR
Paula Beer (Sabeth) | © Susann Schütz/HR

Paula Beer (Sabeth)
© Susann Schütz/HRPaula Beer (Sabeth)
© Susann Schütz/HR



PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk / Der Hörverlag 2018

Erstsendung: 19.05.2018 | hr2 | 53'50


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • CD-Edition: Der Hörverlag 2018


AUSZEICHNUNGEN

  • Platz 2 hr2-Hörbuchbestenliste Oktober 2018 (CD-Edition)


REZENSIONEN

  • Christian Deutschmann: Eindimensionaler Held. In: epd medien Nr. 23 vom 08.06.2018, S 41.
  • Christian Deutschmann: Notlandung in der mexikanischen Wüste. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.09.2018. S. 10. (Zur CD-Edition)
  • Julius Tamm: Eine Teenagerin namens Sabeth. In: Frankfurter Rundschau vom 13.10.2018. S. 31.
  • N. N.: Frage nach Schuld. In: Wiesbadener Kurier vom 19.12.2018. S. 17 (zur CD-Edition).
  • Eva-Maria Lenz: Virtuose des Understatements. In: Medienkorrespondenz. Nr. 23. 16.11.2018. S. 34f.

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