ARD-Hörspieldatenbank


Ars acustica



Oliver Augst, Raymond Pettibon

"THE WHOLE WORLD IS WATCHING: WEATHERMAN 69": As told by Raymond Pettibon


Komposition: Oliver Augst

Dramaturgie: Manfred Hess

Realisation: Oliver Augst

Das Hörspiel ist seit Brechts "Lindberghflug" immer wieder bimedial gewesen. "The Whole World Is Watching" von Augst/Pettibon war gleichfalls in seiner Konzeptions- und Auftragsphase bimedial gedacht: als eine Bühnen- und eine Hörspielversion, die sich gegenseitig ergänzen. Die vom hr2-Hörspiel initiierte Bühnenfassung ermöglichte lange, im Hörspielstudio nicht realisierbare Probenzeiten. Das Ergebnis und die Energie der Live-Aufführung wurde dann in einem getrennt-kanaligen Mehrspurmitschnitt aufgezeichnet, der als Material in einer Studioüberarbeitung ein neues, auch strukturell neues Stück (z.B. mit Nachaufnahmen der deutschen Stimme von Michaela Ehinger, Einfügung von O-Ton Tapes) für 2 Stereolautsprecher überführt wurde. Diese Versuchsanordnung, die mit dem offenen Materialbegriff der Produktion korrespondiert, erprobt zugleich, dass Live-Hörspiel vielleicht mehr sein kann als ein nur mischtechnisch ausgebesserter Live-Mitschnitt. "The Whole World Is Watching: Weatherman '69" - Raymond Pettibons Kunst-Buch der späten Pop-Art besteht aus Comics, Dialogen, Slogans, Songtexten und Textblöcken. Es entstand in den späten 80er Jahren, in denen Raymond Pettibon sich vorwiegend mit der amerikanischen Subkultur der 60er und 70er Jahre auseinandersetzte, vor allem mit der radikalen Splittergruppe der US-amerikanischen Studentenbewegung "Weatherman '69". Ihre Themen: Gewalt gegen den Staat sowie "Sex, Drugs and Rock'n'Roll". Wie kann man sich heute mit diesen längst überholten Utopien einer linken Avantgarde auseinandersetzen, ohne in Haß oder Melancholie zu münden? Die Versuchsanordnung: Das Material nutzen vier unterschiedliche Künstler: Raymond Pettibon, der Punksänger Schorsch Kamerun, die noise music Legende Keiji Haino und der Frankfurter Musiker und Performancer Oliver Augst. Das Ergebnis des grenzgängerischen Experiments greift dabei auf eine Ausgangssituation als Spielhandlung zurück: Eine Gruppe marxistische Revolutionäre hängt gemeinsam ab und plant die Revolution. Die Mitglieder, die sich in lockerer Folge nach und nach selbst vorstellen, rauchen Joints, hören ihre Lieblingsschallplatten, singen mit, proben Ansprachen und Kommuniques, unterhalten sich über Sex, Marx und Politik. Ihr Gerede mündet in eine akustische Konfrontation von Popsongs, Slogans, Noisemusicgewitter, Textlektüre, Staridentitäten.

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Mitwirkende

 


Hörspiel aktuell


PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Hessischer Rundfunk / Sophiensäle Berlin 2007/2008 2008


Erstsendung: 13.02.2008 | 59'50


REZENSIONEN

Markus Collalti: Funk-Korrespondenz. Nr. 6. 15.02.2008. S. 30


Darstellung: