ARD-Hörspieldatenbank


Ars acustica



Unica Zürn

Das Haus der Krankheiten


Vorlage: Das Haus der Krankheiten (Manuskript)

Bearbeitung (Wort): Iris Drögekamp, Thomas Weber

Regie: Iris Drögekamp; Thomas Weber

»›Sehen Sie mir in die Augen‹, sagt Dr. Mortimer. Aber meine Augen glitten zur Seite und fingen an, starr zu werden.« (Unica Zürn) Ein Arzt untersucht seine Patientin. Mit trauriger Bewunderung erklärt er ihr, dass ein Meisterschütze die Herzen in ihren Augen mitten durch die Brust getroffen hat und dass er die toten Herzen nun herausnehmen muss. Müde und gleichgültig hört sie seinen Ausführungen zu, angeekelt von seiner Stimme. Einzig der Gedanke, in welchem Zimmer sie diese Nacht schlafen wird, beschäftigt sie und stellt sie vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe. Unica Zürn setzt ihren eigenen Körper in Analogie zu einem Haus, in dem die Organe, Herz und Augen, Zimmer sind, die betreten werden können. Es sind Geschichten und Bilder einer Gelbsucht, entstanden 1958. Zweieinhalb Jahre später wurde Unica Zürn zum ersten Mal in einer psychiatrischen Klinik interniert. Der Versuch, die Krankheit zu bezwingen, wird zur Suche nach einem Weg aus dem labyrinthisch anmutenden Haus. Das Haus ist eine fensterlose Monade, kein Blick, nichts kann nach außen dringen. Es ist eines der großen Unordnung und des unendlichen Zusammenhangs. Die Protagonistin verkapselt sich in ein Sprechen, dass sich nicht vernehmen lassen will. Es sind die Stimmen aus dem Innenraum. »In unserer Fassung wird die symbiotische Beziehung von Text und Zeichnung in eine oszillierende Durchdringung von Wort, Sound und Musik übersetzt. Die Bühne des inneren Erlebens wird belebt durch die teils gleichzeitig mit dem Text improvisierte und teils komponierte Musik. Diese wechselt dabei zwischen Konkretisierung und Abstraktion, von apathischer Hoffnungslosigkeit zu euphorischer Raserei. Bezugspunkte sind verwandte Grenzgängerinnen wie die Free Form Komponistin Annette Peacock, die Harmonium spielende Velvet Underground Ikone Nico oder die Singer/Songwriterin Judee Sill.« 

Unica Zürn, geboren 1916 in Berlin, gestorben 1970 in Paris. Sie wurde von den Pariser Surrealisten beeinflusst und lebte mit dem bildenden Künstler Hans Bellmer zusammen. Immer wieder von »Krisen«, wie sie ihre psychischen Krankheitsperioden nannte, betroffen, schuf sie bis zu ihrem Selbstmord ein umfangreiches grafisches, malerisches und literarisches Werk.

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Mitwirkende

Musik, sound and fury mit Johannes Frisch vom Kammerflimmer Kollektief | © SWR/Monika Maier

Musik, sound and fury mit Johannes Frisch vom Kammerflimmer Kollektief | © SWR/Monika Maier

Musik, sound and fury mit Johannes Frisch vom Kammerflimmer Kollektief | © SWR/Monika Maier
Musik, sound & fury mit Thomas Weber, der auch Regie führt,und Johannes Frisch vom Kammerflimmer Kollektief (v.l.) | © SWR/Monika Maier
Jana Schulz in der Rolle der UZ | © SWR/Monika Maier
Musik, sound & fury mit Thomas Weber, der auch Regie führt,und Johannes Frisch vom Kammerflimmer Kollektief (v.l.) | © SWR/Monika Maier

Musik, sound & fury mit Thomas Weber, der auch Regie führt,und Johannes Frisch vom Kammerflimmer Kollektief (v.l.)
© SWR/Monika MaierMusik, sound & fury mit Thomas Weber, der auch Regie führt,und Johannes Frisch vom Kammerflimmer Kollektief (v.l.)
© SWR/Monika Maier



PRODUKTIONS- UND SENDEDATEN

Südwestrundfunk 2014


Erstsendung: 07.10.2014 | 54'45


REZENSIONEN

Eva-Maria Lenz: Dunkelkammern des Bewusstseins. In: epd Medien. 24.10.2014. S. 39.


Darstellung: