Hörspiel
Autor/Autorin:
Christian Bock
Protokolle der Familie F. (1. Teil: Bericht I: Frau Maria F.)
Komposition: Karl Sczuka
Technische Realisierung: Friedrich Wilhelm Schulz
Regie: Armas Sten Fühler
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Claire Ruegg Frau Maria Franke Gerti Socha Frau Zolch Wolfgang Golisch Haucke Klaus Friedrich Gerhardt Franke Kurt Ebbinghaus Richter Alois Garg Verteidiger Horst Beilke Staatsanwalt Ria Grohmann Charly Morbitzer Margot Müller Margot Teichmann Franz Andermann Hanns Bernhardt Erich Elstner Ernst Jäger Fritz Jost Walter Morbitzer Wolfgang von Rotberg Benno Schurr Rudolf Stromberg Orchester: SWF-Sinfonieorchester
Musikalische Leitung: Gustav Görlich
Drei Hörspiele erzählen das Schicksal einer schlesischen Familie: Im ersten erlebt der Hörer die Mutter in Wien, in einem Milieu, das die Zeit spiegelt: da gibt es alteingesessene Wiener mit eingefrorenem Charme, aber auch Leute wie Emil Naucke, ehemals Feinkost, Berlin-Pankow; da sind Pfarrer, Anwälte und Richter, die alle einer Frau nicht helfen können, die ihren Sohn zu sich haben will. Und sie stirbt, ehe der Sohn kommt. Der Sohn aber, der erst in Sibirien und dann in Polen war, steht allein. Er hatte eine Schwester, aber er weiß nicht, wohin sie Krieg und Frieden getrieben haben. Da findet er in einer Zeitung einen Bericht über einen Mordprozeß und erfährt daraus, daß seine Schwester tot ist. Er fährt in die Stadt, in der dieser Prozeß eben zu Ende geht. Dort erlebt er, wie ein Mann, der des Mordes verdächtigt war, wegen Mangel an Beweisen freigesprochen wird. Nun verfolgt er den Verdächtigen, und dabei deckt er Schritt für Schritt das Leben auf, das seine Schwester in den fünf Jahren seit Kriegsende geführt hat. "Diese fünf Jahre zählen doppelt!" hat einmal einer gesagt. Der hat Recht gehabt. Er ist nun der allerletzte der Familie. Was er erlebt hat, wirkt sich nun aus: er pfeift auf manches, das bisher einen feierlichen Wert für ihn hatte. Er legt sich die Ansichten einer Generation zu, die die Erfahrungen von drei, vier Generationen auf einmal gemacht hat. Keine Bindungen - beweglich bleiben!, das ist seine Parole. Aber dann macht er die Erfahrung, daß es so ganz ohne Bindungen doch nicht geht. Auch nicht ohne die Bindungen an eine Frau. Ohne das vor allem nicht!

Produktions- und Sendedaten
- Südwestfunk 1950
- Erstsendung: 07.11.1950 | 57'15