Hörspiel
Autor/Autorin:
Richard Farber
Lauter liebe Worte
Komposition: Richard Farber
Technische Realisierung: Helmuth Schick, Waltraud Rasche
Regie: Richard Farber
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Christian Brückner Egocenter Walter Renneisen Junger Mann I Monika Weniger-Hessenberg Junger Frau I Peter Schmitz Mann II Marianne Lochert Frau II Curt Bock Mann III Rosemarie Gerstenberg Frau III u.a.
Lob und TadeI, Ansporn und Zurechtweisung, Akzeptanz und Kritik sollen in der Pädagogik seit altersher gleichermaßen zur Anwendung kommern bei der Erziehung des Menschengeschlechts. Bleibt die Frage, inwieweit ein solches Mittelmaß pädagogischer Methodik anderes hervorbringt als die Mittelmäßigkeit, die schon immer der sicherste Garant für die Stabilität einer jeden Gesellschaftsform gewesen ist. Stabil und ausgewogen muß dementsprechend auch die Emotionalität der einzelnen Individuen sein, die erst als Summe das gesicherte Ganze ergeben. Ihre Umgangsformen sind, mit dem Attribut der Höflichkeit versehen, gleich Verkehrsregeln vorgegeben und standardisiert und halten die gesunde, ausgeglichene Rezeptur von nichtssagenden Komplimenten und unverbindlichen Nörgeleien bereit. Man stelle sich demgegenüber einen Menschen vor, der von seinem ersten Atemzug bis zu seinem letzten Stoßseufzer nicht anderes erfährt als Lob, Zuwendung, Anerkennung, Liebe, Verehrung, Verherrlichung... Die emotionalen Schranken verbaler Umarmungen sind auf der aktiven wie passiven Seite restlos gefallen. Großeltern, Eltern, Freunde, Lehrer, Kollegen, Geliebte, Kinder, Vorgesetzte und Totengräber fügen sich zu einem Chor endloser Lobpreisung des Einen. Das Resultat ist unbekannt und wird es realiter immer bleiben. In dem akustischen Experiment des israelischen Autors und Komponisten Richard Farber soll allerdings ästhetisch die Probe aufs Exempel gemacht werden.

Produktions- und Sendedaten
- Hessischer Rundfunk 1983
- Erstsendung: 22.09.1983 | 40'00