Kurzhörspiel
Autor/Autorin:
Karl Valentin
Vater und Sohn über den Krieg
Regie: Petra Kiener
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Anette Spola Philip Arp
Sohn: Ja, Vata, wennst du und deine Arbeitskameraden nie in einer Rüstungsfabrik arbeiten tatn, dann gäb es doch keine Waffen - dann wär doch immer Frieden, weil man ohne Waffen keinen Krieg führen kann. Vater: Ja, ja, da hast du schon recht - aber das müssen alle Arbeiter auf der ganzen Welt beherzigen. Sohn: Warum tuan 's das nicht? Vater: Mei. Bua - du bist noch so jung - das verstehst noch nicht, wenn ich dir das auch erklär - die Arbeiter werden von den Kapitalisten überlistet. Sohn: Was ist des - überlistet? Vater: Überlistet? Es wird künstlich eine Arbeitslosigkeit erzeugt - wenn die Arbeitslosigkeit nach einigen Jahren den Höhepunkt erreicht hat, steht schon im Hintergrund der Krieg. Sohn: Was is nacha? Vater: Dann werden wieder Arbeiter gesucht. Sohn: Dann werden die Arbeiter wieder froh sein, wenn 's a Arbeit kriegen. Vater: Viele Millionen Arbeiter arbeiten dann wieder in Fabriken und machen die Teile für fünf Millionen Nähmaschinen. Sohn: Nähmaschinen? Du, Vata, zu was braucht man denn im Krieg Nähmaschinen? Vater: Des wird den Arbeitern nur vorgetäuscht - in Wirklichkeit werden es lauter Maschinengewehre. Sohn: Glauben des die Arbeiter? Wie is des dann bei den Riesenkanonenrohren? Vater: Da wird den Arbeitern vorgetäuscht, das werden lauter Fernrohre für die Sternwarte. Sohn: Geh, Vata, so einen plumpen Schwindel kann man doch keinem Arbeiter vormachen. Vater: Freilich ist das nicht faßbar - aber die Kanonenrohre sind da, also haben 's die Arbeiter doch gemacht!

Produktions- und Sendedaten
- Sender Freies Berlin 1983
- Erstsendung: 31.03.1983 | 7'02