Originaltonhörspiel
Autor/Autorin:
Inge Kurtz
Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin
Technische Realisierung: Anna-Maria Tietze, Ingrid Morell
Regie: Inge Kurtz
Bordeaux 1942: Im besetzten Frankreich hört der 21jährige Marinesoldat Ludwig Baumann hin und wieder den englischen Feindsender Calais. Als er deswegen bei der Kompanieführung denunziert wird, entzieht er sich der drohenden Verhaftung durch Flucht. Er wird gefaßt und wegen "Wehrkraftzersetzung" und "Desertion" zum Tode verurteilt. Bayonne 1942: Der 27jährige Willy Beltz läßt sich von einer Straßenbahn fünf Zehen des linken Fußes abfahren, um wehruntauglich zu werden und seine antifaschistische Widerstandsarbeit in seinem Heimatort Kassel fortsetzen zu können. Er wird jedoch 1943 erneut zur Ostfront eingezogen. Er läuft zur Roten Armee über und wirkt beim Nationalkomitee Freies Deutschland mit. Nur wenige deutsche Deserteure haben die blutigen Verfolgungen durch die Kriegsgerichte überlebt. Über 10.000 Soldaten wurden hingerichtet. Doch auch die "Davongekommenen" erzählen nur selten von ihrer Tat. Denn die Desertion gilt bis heute als ruchlos, der Deserteur als Feigling und Verräter, mißtrauisch beäugt von Armee und Staat. Soldaten sollen in Reih und Glied stehen, sollen gehorchen und sollen vollstrecken. Ungehorsam und Fahnenflucht darf keine Amnestie erwarten.

Produktions- und Sendedaten
- Hessischer Rundfunk 1988
- Erstsendung: 21.03.1988 | 88'15