Originaltonhörspiel
Autor/Autorin:
Jürgen Geers
Hohes Haus
Technische Realisierung: Anna-Maria Tietze
Regie: Jürgen Geers
Am 7. September 1949 trat der am 14. August gewählte Bundestag das erste Mal zusammen. Seit diesem Datum hat die Versammlung der Volksvertreter als gesetzgebende Institution die Realitäten der föderalistischen Nachkriegsrepublik bestimmt oder auf Ereignisse, die nicht von ihr ausgingen, wiederum durch Gesetze, Erlasse oder Verfügungen steuernd zu reagieren versucht. Über die inhaltliche Dokumentation 40jähriger Parlamentsarbeit hinaus soll die zeitraffende Collage Aufschluß geben über die Entwicklung demokratischer Stilformen von Rede und Gegenrede, Verkündigung und Debatte, Appell und Polemik, in denen sich nicht zuletzt auch das ausdrückt, was besonders in den letzten Jahren als "politische Kultur" beredet wurde. Konzentrationsverfahren, das vermöge eines eigens entwickelten Destillationsfilters den im Archiv eingemachten rhetorischen Früchten unserer würdigen Volksvertreter einen hochprozentigen Saft abzupressen versucht. Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß er im Übermaß genossen, bewirkt, daß sich das liebe Volk an der würzigen Rede seiner Repräsentanten berauscht oder nur schwindelig geredet fühlt. Selbst ein kühler klarer Kopf kann, solchermaßen verwirrt, auf denselben fallen, wenn er im tumultösen Durcheinander der Argumente über den roten Faden der Geschichte stolpert, der meistenfalls ein schwarzer war. Wer aber nicht allzu schwarz sieht, mag sich demokratische (Stil-) Blütenträume reifen lassen. Unsere Parteien sind als Säulen des Staates schließlich die Beine der Demokratie. Und so sollten wir uns wieder auf dieselben machen, immer schön ausgewogen, linkes Bein vor, rechtes Bein vor. Oder kann man auch dabei fallen?" (Jürgen Geers)

Produktions- und Sendedaten
- Hessischer Rundfunk / Radio Bremen 1989
- Erstsendung: 07.09.1989 | 89'40