Originaltonhörspiel

Autor/Autorin: Ronald Steckel

Der neue Berliner Totentanz

Komposition: Ronald Steckel
Technische Realisierung: Heiko Rüsse

Regie: Ronald Steckel

DER NEUE BERLINER TOTENTANZ ist nach den Hörstücken DIE MAUER (1984), TRAUMSTADT (1984), TRANSIT BERLIN WEST (1987) die vierte akustische Arbeit über die Stadt, in der ich seit 20 Jahren lebe. Der akustische Rohstoff für dieses Stück sind Tondokumente aus den West-Berliner Rundfunkarchiven. Etwa 6 Monate habe ich mich in den Labyrinthen der 'akustischen Erinnerung' dieser Stadt bewegt, d.h. ich habe mit den Ohren eine Strecke von vielleicht 100 oder 200 km Bandmaterial zurückgelegt, von den frühen 30er Jahren bis heute. Nach rein subjektiven Kriterien habe ich aus der vorhandenen Fülle bestimmte Dokumente ausgewählt, überwiegend die Stimmen von Politikern, die nicht mehr unsere Zeitgenossen sind und deren Texte sich interessanterweise nicht so sehr von denen der heute Lebenden unterscheiden, wie man annehmen könnte. D.h. die Sprache, die in diesen Dokumenten erinnert wird, ist auf merkwürdige Art - ähnlich wie heute - 'verseucht', 'giftig, 'radio-aktiv': eine immer noch sehr ungebrochene Ausstrahlung des Entsetzens und der Tragik, die mit der Geschichte Berlins und der deutschen Geschichte verbunden ist. Ich habe also mit den Stimmen der Vergangenheit gespielt, sie analysiert, Informationen zerlegt, in Lieder eingefügt, zu Stimm-Haufen und Stimm-Quanten verdichtet, und ich habe beim Umgang mit den Materialien jeden Respekt vermissen lassen. DER NEUE BERLINER TOTENTANZ ist auch ein Versuch einer 'akustischen Dekontamination': einer Ent-Seuchung auf musikalischakustischem Wege. (Ronald Steckel)

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Sender Freies Berlin / Südwestfunk 1988
  • Erstsendung: 28.02.1988 | 56'55

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