Essay
Autor/Autorin:
Norval Baitello, Heiner Widdig
Der Radiodschungel am Amazonas
Technische Realisierung: Alfred Habelitz, Christiane Recht
Regie: Arturo Möller
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Christel Koerner Charles Wirths Karl-Heinz Menke
Mit Brasilien assoziieren wir meist die klischeehaften Vorstellungen von Karneval und Samba in Rio oder die Schreckensnachrichten über das katastrophale Elend in den Slums der Großstädte. Doch welche soziale und kulturelle Bedeutung hat ein Massenmedium wie der Rundfunk in solch einem riesigen Land? Kaum erwartet man dort ein weitverzweigtes, unüberschaubares Rundfunksystem mit 1.600 Sendeanstalten. Welche Hörformen das vorwiegend private und kommerzielle Radio in seiner über sechzigjährigen Geschichte in Brasilien entwickelt hat, soll mit Originalton-Ausschnitten rekonstruiert werden. Gerade in einem Land, in dem auch heute noch fast 30vH der Bevölkerung Analphabeten sind, spielt der Rundfunk für die kulturelle Entwicklung der Massen eine zentrale Rolle. Ohne ihn wäre z.B. die Musica Popular Brasileira, dieser Schmelztiegel aus traditionellen, modernen und fremden Musikelementen nie zur wirklich lebendigen "Volksmusik" geworden. Unter diesen Bedingungen hat sich auch das Hörspiel ganz anders entwickelt als bei uns. Nicht als literarische Kunstform, sondern als populäre "Trivialhörspiele" haben die sogenannten "radio novellas" in ihren fast endlosen Serien Millionen Brasilianer begeistert und eine hier unbekannte Gattung geschaffen. Massenhaft produziert, beherrschten sie jahrelang den Radioalltag in Brasilien. Erst in den letzten zehn Jahren beginnt das Hörspiel in unserem Sinne besonders durch die Unterstützung westdeutscher Sender, in dem kommerziellen Rundfunksystem, allerdings mit einer 'brasilianischen Färbung', Fuß zu fassen.

Produktions- und Sendedaten
- Südwestfunk
- Erstsendung: 02.02.1985 | 74'20