Hörspiel
Autor/Autorin:
Wolfram Wessels
Demokratie, dein Mund heisst Radio - Rundfunk und Hörspiel unter alliierter Kontrolle
Technische Realisierung: Udo Schuster, Regina Kraus
Regie: Johannes Hertel
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Michael Thomas Charles Wirths Helmut Wöstmann
Nach dem totalen Krieg und der totalen Niederlage sollte alles anders werden in Deutschland. Statt dem "Rundfunk als Führungsmittel" der Regierung sollte es nun einen "Rundfunk im Dienste des Volkes" geben. Er sollte wahrhaftig und objektiv sein, ein Forum der Hörer, ein Forum aller gesellschaftlichem Gruppen, - ein "demokratischer Apparat par excellence, der "Mund" der Demokratie, wie nicht nur Alfred Döblin dachte. Mit Engagement und Enthusiasmus gingen die von den Siegermächten Ausgesuchten, vom Nationalsozialismus nicht Belastete oder erklärte Antifaschisten daran, die Wirklichkeit der Zeit und der Welt zu erobern. Aktualität war gefragt, nicht nur im Zeitfunk, auch im literarischen Programm und im Hörspiel. Man suchte den Anschluß an verschüttet geglaubte Traditionen - die moderne Weltliteratur, das Exil und die Innere Emigration - und man wollte auch mit den Hörspielen "einen künstlerischen Beitrag zur Zeitdiskussion" (Gert Westphal) liefern. Doch sollte sich schon bald zeigen, daß die anfängliche, vermeintliche Freiheit unter den Besatzern aller Zonen dort ihre Grenzen fand, wo deren Interessen berührt waren. Konnten sie bei der Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Demokratisierung noch durchaus mit denen der Besiegten übereinstimmen, mußte der Beginn des kalten Krieges jedoch zur Spaltung führen. Auch im Rundfunk forderte er seinen Tribut und leitete eine restaurative Phase ein. "Wir haben viel gesprochen damals. Offenbar haben wir schlecht zugehört. Sonst hätten wir merken müssen, wie draußen - hinter den Glaswänden der Studios - die Wirklichkeit der alten Männer über uns zur Tagesordnung schritt (...)". (Westphal)

Produktions- und Sendedaten
- Südwestfunk
- Erstsendung: 03.08.1985 | 149'50