Hörspiel
Autor/Autorin:
John von Düffel
Wanzen
Radiofarce über den Geheimdienst in der Krise der Kritik
Technische Realisierung: Frauke Schultz, Birthe Blankenhorn
Regieassistenz: Daniela Staats
Regie: Hans Helge Ott
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Horst Bollmann Jürgen Thormann Sabine Postel Michael Pundt
Unter den Zeichen der Zeit kommen zwei Geheimdienstler bei ihrem Abhörgeschäft ins Grübeln über ihren Beruf, sein Ethos, seine Zukunft: A: Die tiefere Wahrheit hieß schon immer: Der Geheimdienst ist eine interne Angelegenheit. Sehen Sie, gerade die demokratisch legitimierte Regierung hat doch die Pflicht, sich über das Meinungsspiel ihres Souveräns, des Volkes, auch außerhalb des rudimentären Urnengangs zu informieren. Der Geheimdienst springt in diese Bresche. Geheimdienst, das ist die einzig seriöse, weil gezielte Art der Meinungsforschung, das ist der Dienst an der Idee der Demokratie, die mit ihrer gesammelten Aufmerksamkeit auf die Volkslaunen ausgerichtet ist. B: Auf den Volkswillen. A: Der zugegebenermaßen schwankt. B: Volkslaunen, finde ich trotzdem ein bißchen zynisch. A: Nichts gegen das Volk, mein Herr. aber die Meinungen, die werden gemacht, und zwar manchmal sehr schlecht gemacht! Made in Germany, auch darauf ist heute leider kein Verlaß mehr! B: Ich danke Ihnen für das offene Gespräch. Aber ich glaube Ihnen kein Wort. A: Bitte schön? B: Kein Wort davon ist wahr. Hirngespinste eines Geheimdienstlers, der gegen den eigenen Staat agitiert, weil der ihn nicht mehr braucht. Mutwilliger Nestbeschmutzer aus Angst vor dem eigenen Rausschmiß. Paradox! A: Moment. Sie wollen mir doch nicht weismachen, daß Sie sich mit Haut und Haaren dieser vollkommen einfallslosen, dieser nachgerade phantasiekastrierten Systemhörigkeit verschrieben haben, die aufgrund gewisser tendenziöser, äh, Tendenzen nunmehr im Schwange ist ... ACHTUNG: KEIN STASI-STÜCK!

Produktions- und Sendedaten
- Radio Bremen 1991
- Erstsendung: 09.07.1991 | 53'16