Originalhörspiel, Mundarthörspiel
Autor/Autorin:
Andreas Hagelüken
formel - n
(Formeln - wegen Ausländerhaß)
Formidee/Klangmaterial: Ist gesprochener Dialekt. Die Stimmen werden tätig in alemannischer, hessischer, kölscher, ostfriesischer und weiterer Mundart. Demgegenüber transportieren Sprecher die (hoch)deutsche Sprache als eine fremd gesprochene (franz/dt, poln/dt). Obschon die Stimmen im Grunde einer Meinung das Wort geben, klingt es doch sehr verschieden. Nacheinander handeln sie ähnlich gelagerte, menschlich urteilsvage Einfachheiten ab. Es entsteht eine breiige Masse aus sprachlich bedingter Melodie, die einzelne Verständnisblasen aus/aufwirft. Absicht: Bezweckt ist einerseits die Konfrontation des Hörers mit dem Begriff des Verstehens und seiner Interpretationsvielfalt. Über den Begriff des Verstehens hinaus thematisiert sich andererseits der Begriff der Sprache, die verstanden werden soll. Das Verstehen transportiert sich in unserem Fall über den Gebrauch der Sprache. Ein weiterer Begriff kommt in den Blick: Heimat. Fragt man nach den Konnotationen dieses Terms, so kristallisiert sich immer schnell heraus, daß es diesen einheitlichen Begriff von Heimat über seine sprachliche Behauptung hinaus ei g entlich nicht gibt, daß genau gesagt allein die Sprache den Boden des Heimatbegriffes bestellt: in ihr trifft der Deutsche auf Gleichgesinnte ... Das letzlich einende Moment der deutschen Vorstellung von Heimatgedenken ist ein gekünsteltes Gebilde namens Hochdeutsch. Künstlich ist es, weil es faktisch nicht gesprochen wird. Also: thematisiert ist in diesem Hörspiel nicht das Phänomen des "Fremd-Seins", sondern eben das die Fremden ausgrenzen wollende "Deutsch-Sein". Das Hörspiel demonstriert die Absurdität einer Verachtung fremder Menschen aufgrund des Heimatbegriffs. (Andreas Hagelücken, gekürzt)
Weitere Informationen
Anschließend: "Wir, die Ausländer und unsere Mundarten" Live-Diskussion mit Hörern, dem Dialektologen Heinrich Löffler, Basel und dem Autor Andreas Hagelüken, Freiburg.

Produktions- und Sendedaten
- Südwestfunk
- Erstsendung: 22.12.1994 | SWF1 | 54'46