Ars acustica

Autor/Autorin: Schuldt

Schallgeschwister (Am Quell der Donau)

Technische Realisierung: Günter Heß, Angelika Haller
Regieassistenz: Holger Buck

Realisation: Schuldt

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/Sprecherin
    Jürgen Arndt
    Donald Arthur
    Ilknur Bahadir
    Christian Baus
    Carina Braunschmidt
    Timo Dierkes
    Robert Dölle
    Arthur Galiandin
    Ruth Geiersberger
    Anatolij Gnatjuk
    David Greiner
    Hans Horst Henschen
    Robert Kelly
    Jörn Knebel
    Anatol Kobylinski
    Felicity Lamb
    Tatjana Lukina
    Karl Neuwirth
    Susan Polzer
    Tara Polzer
    Tamara Ralif
    Schuldt
    Bettina Voepel
    Mark Welte
    Lars Weström
    Florian Geyer
    Manuel Giulani
    Daniel Monninger
    Katrin Pechlof
    Sebastian Petry
    Julia Pott
    Michael Purreiter
    Clemens Schefels
    Ulla Vaasen
    Roland Werner
    Anja Zimmermann

"Angenommen, der Klang ist die Seele der Sprache und die Bedeutungen der Wörter sind ihr Körper. Dann wechseln die Akteure hier, dieser kleine und mutige Trupp von Maulhelden und Ohrenträumern, unablässig hin und her: Seele schlägt in Körper um; aus Körper wird Seele; dreht sich um und ist schon fremder Körper geworden. Sie sprechen einzeln, zusammen, als Chor, gegeneinander. Eine Stimme, noch ein paar Stimmen, sie sagen dasselbe, reden wie ein Wir. Sagen sie dasselbe? Sagen sie nicht gerade dieselbe Seele, die unversehens mehrere, vollständig verschiedene Körper angenommen hat? Sagen bisweilen eine Klangstrecke (Sätze, einen Text), die als verschiedene Sätze zu uns redet, ja sogar englisch und deutsch zugleich ausspricht. Wenn das Chor-Wir wieder zu Einzelstimmen gefaltet wird, ist es sich fremd, spricht eine andere Sprache. Haargenau wird sie in die Sprache des früheren Ichs zurückübersetzt. Wir hören Gestaltumschlüpfer, Ander-Ich und Wider-Wir. Der Ursprung der Sprachen liegt in der Auseinandersetzung von Klang und Sinn: Streit, Karikatur, Trennung, Versteckspiel, Hohn, Harmonie - jenes siamesische Ineinander von Klang und Sinn, das sie immer wieder abzustreiten versuchen, während wir törichten Hörer es oft als tautologische Gewißheit heimtragen möchten. Friedrich Hölderlins Gedicht 'Am Quell der Donau' bildet mit einer klanggleichen englischen Wortfolge von Robert Kelly und drei Sprachwandlungen von mir die Textvorlage. Die Grundsituation dieses Hörspiels ist es, daß, was Einer in der einen Sprache sagt, ein Anderer in einer andern, der zweiten Sprache hört. Er hört also etwas ganz Anderes, als gesprochen worden ist. Man kann nicht einmal sagen, ob er den verkehrten Text gehört hat. Aber jedenfalls hat er die verkehrte Sprache gehört. Sie ist aber die einzige Sprache, die er kennt oder bemerkt. In dieser Sprache macht er sich nun aus dem Gehörten einen Text zurecht - er kann ja auch gar nicht anders. Er muß sich diesen Text vollständig erfinden, in seiner Sprache, aus seinem Sinn. Er spricht. Er spricht sich den Text, den er da gehört hat, und der ihm ewig unbekannt bleiben wird. Wir hören ihn sprechen. Wir hören nicht, was er hört, denn es ist ein Hörspiel: wir können nur hören, was jemand sagt; wir können nicht hören, was er hört. Allerdings, was er hört, wird ebenfalls gesprochen; und weil es gesprochen wird und wenn es gesprochen wird, hören wir es; hören, was er hört" (Schuldt).

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Bayerischer Rundfunk 1996
  • Erstsendung: 27.09.1996 | 55'05

Veröffentlichungen

  • CD-Edition: Steidl Verlag 1998

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