Hörspielbearbeitung
Autor/Autorin:
Jerome Rothenberg
Der Dada-Ton
Vorlage: That Dada Strain (Lyrik/Dramatisierung, amerikanisch)
Übersetzung: Klaus Reichert
Komposition: Bertram Jay Turetzky
Technische Realisierung: Dieter Stratmann, Gabriele Neugroda
Regieassistenz: Christoph Pragua
Regie: Jerome Rothenberg
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Jerome Rothenberg 1. Stimme Peter Lieck 2. Stimme Charly Wagner Ansager
"'Der Dada-Ton' ist eine Hommage an unsere künstlerischen Vorläufer und unsere Zeitgenossen. 'Dada' begann im 1. Weltkrieg, sein Geburtsort war das Cabaret Voltaire in Zürich. Die schärfsten Waffen der Dadaisten waren 'Spontaneität' - endlose Energie und ein ausgeprägter schwarzer Humor. Vier Dada-Väter werden in diesem Hörspiel genannt und angesprochen. Hugo Ball, der das Cabaret Voltaire im Jahre 1916 gründete und sich später in die Schweizer Berge zurückzog, um dort als eine Art katholischer Dada-Heiliger zu sterben. Francis Picabia, ein Playboy-Dada, bewegte sich durch die Welten auf beiden Seiten des Atlantik als Papst einer neuen und nicht-existenten Dada-Kirche. Kurt Schwitters, der Dada in 'Merz' umbenannte und in seinem Haus in Hannover eine ständig wachsende Skulptur als Erinnerung an Dada errichtete, bevor er im Krieg nach Norwegen und England floh. Und Tristan Tzara (geboren als Sammy Rosenstock) - 1916 im Alter meines Vaters, vor ein, zwei Jahren im Alter meines Sohnes -, der aus Moinesti in Rumänien in die Schweiz kam, um der wichtigste Dichter des Züricher und frühen Pariser Dadas zu werden. Heutzutage ist natürlich niemand ein wirklicher Dada. Die Gedichte, die an diese vier Dadaisten gerichtet sind, erschienen erstmals in meinem Buch 'That Dada Strain'. Um sie für Stimme und Kontraball präsentieren zu können, tat ich mich vor einigen Jahren mit dem Musiker Bertram Turetzky zusammen. Die Dialoge als Brücken zwischen den Gedichten und als ein persönlicher und zeitgenössischer Kommentar entstanden, um so zu zeigen, wie das Werk sich von 1916 bis 1986 entwickelt hat. Durch die Verwendung der neuesten Audio-Technologie (Emulatoren, Synthesizer etc.) habe ich eine Collage erarbeitet, in der Vergangenheit und Gegenwart gemeinsam als ein einziges Klangfeld existieren können. Der Titel 'That Dada Strain'/'Der Dada-Ton' geht übrigens nicht auf den europäischen Dada zurück, sondern auf Jazz- und Blues-Traditionen der zwanziger Jahre. Ich verstehe diese Übereinstimmung als wahrhaft 'Dada' entsprechend, sogar kabbalistisch, und möchte es hierbei belassen." (Jerome Rothenberg)

Produktions- und Sendedaten
- Westdeutscher Rundfunk 1986
- Erstsendung: 07.10.1986 | WDR 3 | 61'59