Hörspielbearbeitung
Autor/Autorin:
Hugo von Hofmannsthal
Der Tor und der Tod
Vorlage: Der Tor und der Tod (Theaterstück)
Komposition: Boris Blacher
Regieassistenz: Hans Drechsel
Regie: Günther Hadank
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Günther Hadank Der Tod Hans Krull Claudio Franz Weber Diener des Claudio Käthe Braun Die Geliebte Ruth Hausmeister Die Mutter Franz Nicklisch Der Freund
In seinem mit Kunstschätzen museal ausstaffierten Studierzimmer sinnt der alternde reiche Claudio, am Fenster sitzend, dem Leben nach: Sich in das begrenzte, wirkliche "Menschenleben" hinübersehnend, kann er es allenfalls verstehen, sich jedoch nicht hineinverweben und daran verlieren. Sein müdes Denken und die "Rumpelkammer voller totem Tand", die ihn umgibt, sind ihm ein unzureichender Lebensersatz. Sein Leben wie ein Buch erlebend, bleiben ihm Schmerz und Glück gleichermaßen versagt. Da ertönt plötzlich eine Geigenmelodie. Sie ruft ihm seine Kindheit in Erinnerung, in der er sich als "ein lebend Glied im großen Lebensringe" fühlte. Der Geiger aber ist der Tod, der nicht als schauerliches Gerippe, sondern als "großer Gott der Seele" vor ihm steht. Claudio fühlt sich aber noch nicht reif zum Sterben, denn "ich hab nicht gewußt, daß das schon Leben heißt". Der Tod lehrt den Toren nun, das Leben wenigstens am Ende zu ehren, und ruft mit ein paar Geigenstrichen drei Tote hervor, gegenüber denen Claudio schuldig geworden ist: Seine Mutter, seine verlassene Geliebte, seinen Freund. Alle haben den Schmerz des Lebens ausgekostet und gelitten, sind aber selig gegenüber Claudio, "der keinem etwas war und keiner ihm". Der Tod gewährt keinen Aufschub, und nun erfährt Claudio erstmals Wirklichkeit und verklärt sein eigenes Sterben mit den Worten: "Da tot mein Leben war, sei du mein Leben, Tod!" (Aus Kindlers Neuem Literaturlexikon)

Produktions- und Sendedaten
- Sender Freies Berlin 1954
- Erstsendung: 02.11.1954 | SFB 1 | 31'40