Originalhörspiel

Autor/Autorin: Ulrike Draesner

beziehungsmaschine

Technische Realisierung: Hans Scheck, Susanne Herzig
Regieassistenz: Sabine Kienhöfer

Regie: Bernhard Jugel

  • Weitere Mitwirkende

    Sprecher/SprecherinRolle/Funktion
    Judith HofmannA, Kind
    Kornelia BojeB, Mutter
    Christoph LindertC, Vater

"Eine Frau, in ihrem Zimmer, am Boden. Ihr Partner hat sich gerade von ihr getrennt. Sie fühlt sich erniedrigt, bedrückt. Das allmählich dunkel werdende Zimmer ist leer, bis auf einen Stuhl und einen leuchtenden roten Punkt: Computer?, Stereoanlage?, sie selbst? Die Frau beginnt, sich nach sich zu fragen. In kreisenden Bewegungen übersetzt sie die wahrgenommenen Gegenstände in innere Tatsachen, Gefühle und Erinnerungen. Ihr Monolog stellt Sätze und Satzfragmente durch genau komponierte Wiederholungen in immer neue Zusammenhänge - und schickt so das Ich auf eine innere Reise. Es entdeckt, daß dem Abstand zu anderen eine innere Fremdheit vor sich selbst entspricht. Glattes, gekämmtes Ichzeug, das man ihr angetrimmt hat, überdeckt die inneren Strudel und Stromschnellen. Der Schmerz über die Trennung löst diesen Außenpanzer, der auch ein Panzer aus vorgefertigter Sprache ist. Die Eltern, die ihn dem Ich angelegt haben, mischen sich noch einmal mit Erziehungssätzen, Lebensregeln und Kommentaren ein. Das Ich erkennt, daß die Beziehungsmaschine viel weiter geht als "nur" Männerverhältnisse betreffend. Sie ist eine Lebensmaschine: ohne Vermittlung des unverstellten Ichraums nach außen wird das Ich absterben. Über den Boden kriechend stößt die Frau auf zwei Straßenbahnschienen - die eigene Vergangenheit und Zukunft. Ihr wird bewußt, daß ihr weiches, verletzliches Fleisch darauf festgenagelt ist. Doch wenn sie es wagt, die ihr zugefügten Erstarrungen und Schmerzen von innen aufzubrechen, besteht die Möglichkeit, die Schienen in Arme zurückzuverwandeln - und damit einen anderen zu berühren" (Ulrike Draesner).

Quellen zum Hörspiel - © DRA/Michael Friebel

Produktions- und Sendedaten

  • Bayerischer Rundfunk 1998
  • Erstsendung: 10.06.1998 | 15'00

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