Originalhörspiel, Originaltonhörspiel
Autor/Autorin:
Ronald Steckel
Die Wirklichkeiten unterhalten sich
Technische Realisierung: Daniel Senger, Johanna Fegert
Realisation: Ronald Steckel
Wenn wir, wie Ronald Steckel sagt, "am Ende des 20. Jahrhunderts imstande sind, heterogenste und zufällige Kombinationen von Signalen als erzählende Wirklichkeiten von poetischer Kraft wahrzunehmen", so liegt das nicht zuletzt daran, daß wir uns an den täglichen Gebrauch von Medien gewöhnt haben. Wo abwesende Stimmen, entfernte Schauplätze und Ereignisse, die ursächlich nichts miteinander zu tun haben, für die Dauer eines Telefonats oder einer Sendung immer wieder in kompakte Nähe rücken, lernt am Ende jeder, sich seinen Reim auf lauter Ungereimtheiten zu machen. Wo früher räumliche Entfernungen und soziale Distanzen als unüberwindlich galten, haben die Kommunikationsmedien längst ihre flüchtigen Beziehungen gestiftet, die in ständiger Bewegung sind. Medien führen unseren täglichen Existenzbeweis durch ihre Beweglichkeit, locken uns in Geschichten hinein und lassen sich doch insgesamt auf keine Perspektive festlegen. An allen Orten zugleich zu Hause, schafft sich die Medienrealität ihren Ort erst in der Wahrnehmung. Insofern ist sie die verbreitetste Form ästhetischer (nämlich wahrgenommener) Utopie. Ronald Steckel hat sich in Radioarchiven und laufendem Programm einer Woche umgehört, hat den O-Ton der Medien mit ländlichen und urbanen Klanglandschaften konfrontiert und hat dieses Nebeneinander von perspektivischer Bedächtigkeit und utopischer Offenheit zum Strukturprinzip seiner Radiokomposition gemacht.
Weitere Informationen
Ronald Steckel, geboren 1945 auf der Insel Sylt, lebt seit 1968 in Berlin, heute als freier Autor und Hörspielmacher. Verschiedene Buchveröffentlichungen und zahlreiche Radio-Features und Hörwerke.

Produktions- und Sendedaten
- Südwestfunk 1997
- Erstsendung: 18.09.1997 | 53'51