Porträt, Essay
Autor/Autorin:
Hans-Jürgen Heinrichs
Wer hören will, wird fühlen
Zum Hörspielwerk von Nathalie Sarraute
Dramaturgie: Peter Liermann
Regieassistenz: Christoph Müller
Realisation: Hans-Jürgen Heinrichs
Weitere Mitwirkende
Sprecher/Sprecherin Rolle/Funktion Hans-Jürgen Heinrichs 1. Sprecher Hildeburg Schmid Zitat Nathalie Sarraute/Nathalie Sarraute (synchronisiert und gesprochen) Moritz Stoepel Fremd-Zitate Erika Tophoven Werner Spies Heinz von Cramer
Nathalie Sarraute wäre am 18. Juli 100 Jahre alt geworden. Eine ihrer letzten Aussagen über ihr Leben und den zu erwartenden Tod, über ihr Werk und wie sie es verstand, lautete: "Wenn das, was ich mache, nicht schwierig ist, erregt und stimuliert es mich nicht. Ich versuche etwas zu ergreifen, was von allgemeiner Ordnung zu sein scheint. Ich glaube, es ist ein Buch, das ich geschrieben habe. Für mich ist der Tod völliges Verschwinden von allem." Das "Schwierige" in ihrem Werk ist zugleich das allen Menschen Vertrauteste, so wie alle reden. Das hat Nathalie Sarraute unermüdlich und in immer neuen Varianten erprobt und durchgespielt, auf seine Oberflächen - und Tiefenschichten hin abgeklopft - und abgehört. Deswegen eignete sich ihre Literatur so sehr für das Hörspiel. Das, was von allgemeiner Ordnung zu sein schien und was sie Tropismen und Vorbewusstes nannte, war das unerschöpfliche Reservoir, in das sie hineinhörte und für das sie Worte suchte. Ihre geradezu sprachalchemistischen Experimente und Wort-Expeditionen haben sie zu einer der bedeutendsten Schriftstellerinnen dieses Jahrhunderts gemacht, in der Folge von Proust, Joyce und Virginia Woolf. Dass alle ihre Romane, Theaterstücke und Hörspiele letztlich ein Buch bilden, hängt auch mit ihrer Überzeugung zusammen, dass sich der Dichter einer Art "innerem Murmeln", einem Sprach- und Bewusstseinsfluss anschließe. Hans-Jürgen Heinrichs, der noch kurz vor Nathalie Sarrautes Tod im Sommer 1999 ein Gespräch mit ihr geführt hat, ist auch mit der Sarraute-Übersetzerin Erika Tophoven und einem engen Vertrauten der Dichterin, Werner Spies, sowie mit Heinz von Cramer, dem Regisseur ihrer Hörspiele, zusammengetroffen und rekonstruiert in dieser Sendung die Grundzüge des Sarrautschen Werkes, deutet ihre Hörspiele und deren heutige Relevanz.
Weitere Informationen
Hans-Jürgen Heinrichs, geboren 1945, Schriftsteller und Essayist, hat zahlreiche Studien zur Literatur und zu Theorien der Moderne veröffentlicht, u.a. "Erzählte Welt" und Biographien über Leiris, Lévi-Strauss, Lacan, Fichte, Bataille und Frobenius.

Produktions- und Sendedaten
- Hessischer Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk 2000
- Erstsendung: 19.07.2000 | hr2 | 22:30 Uhr | 74'49
Rezensionen (Auswahl)
- Frank Kaspar: In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11.07.2000. S. 57.